
Die Ölpreise geben am Donnerstag leicht nach, da Äußerungen von Vertretern der USA und des Iran auf gewisse Bemühungen um einen Abbau der Spannungen hindeuten. Die Verluste bleiben bislang jedoch begrenzt. Ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) kostet zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 100,80 US-Dollar. Damit liegt der Preis unter dem Hoch vom Mittwoch nahe 103,00 US-Dollar, aber weiterhin über der wichtigen Marke von 100,00 US-Dollar.

US-Medien berichteten am frühen Donnerstag, Vizepräsident JD Vance habe Kontakt zu Mohsen Rezaei, dem Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, aufgenommen, um die Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen. Präsident Donald Trump dementierte dies jedoch und erklärte, bei dem Kontakt sei es um den Bedarf des Iran an medizinischen Hilfsgütern gegangen.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bekräftigte, dass Teheran weiterhin in engem Kontakt mit Vermittlern stehe, um deren Siebentageplan zur Wiederöffnung der Straße von Hormus umzusetzen. Es gibt keine konkreten Belege für Fortschritte auf dem Weg zu einem Friedensabkommen. Die gemäßigtere Rhetorik hat jedoch bereits vorsichtige Hoffnungen geweckt, dass die Kontrahenten an den Verhandlungstisch zurückkehren könnten.
Die Angriffe in der Straße von Hormus dauern allerdings an und verhindern einen weiteren Rückgang der Ölpreise. Die britische Organisation für Seehandelssicherheit (UKMTO) meldete, dass ein Schiff neun Seemeilen nördlich von Khasab im Oman in Brand geraten sei. Iranische Vertreter bekräftigten, die Wasserstraße werde für den Schiffsverkehr gesperrt bleiben, bis ihr Siebentageplan akzeptiert werde.
Am Mittwoch veröffentlichte Daten der US-Energieinformationsbehörde (EIA) zeigten, dass die Rohölbestände in der Woche zum 23. Oktober um 1,46 Millionen Barrel zurückgingen. Der Rückgang fiel damit deutlich stärker aus als die von Marktanalysten prognostizierten 300.000 Barrel, nachdem die Bestände in der Vorwoche bereits um 3,06 Millionen Barrel gesunken waren. Diese Zahlen liefern weitere Hinweise auf den raschen Abbau der Öllagerbestände und tragen dazu bei, die Preise auf hohem Niveau stabil zu halten.
WTI-Öl ist eine Rohölsorte, die auf internationalen Märkten gehandelt wird. WTI steht für West Texas Intermediate, eine der drei wichtigsten Rohölsorten neben Brent und Dubai Crude. Aufgrund seiner relativ geringen Dichte und seines niedrigen Schwefelgehalts wird WTI auch als „leicht“ beziehungsweise „süß“ bezeichnet. Es gilt als hochwertiges Öl, das sich leicht raffinieren lässt. Es wird in den Vereinigten Staaten gefördert und über den Knotenpunkt Cushing vertrieben, der als „Pipeline-Kreuzung der Welt“ gilt. WTI dient als Referenzsorte für den Ölmarkt, und sein Preis wird häufig in den Medien zitiert.
Wie bei allen Vermögenswerten sind Angebot und Nachfrage die wichtigsten Einflussfaktoren für den Preis von WTI-Öl. So kann ein starkes Weltwirtschaftswachstum die Nachfrage erhöhen, während ein schwaches globales Wachstum den gegenteiligen Effekt haben kann. Politische Instabilität, Kriege und Sanktionen können das Angebot beeinträchtigen und die Preise beeinflussen. Die Entscheidungen der OPEC, eines Zusammenschlusses wichtiger Ölförderländer, sind ein weiterer wesentlicher Preistreiber. Auch der Wert des US-Dollars beeinflusst den Preis von WTI-Rohöl, da Öl überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer US-Dollar kann Öl somit erschwinglicher machen, während ein stärkerer US-Dollar den gegenteiligen Effekt haben kann.
Die wöchentlichen Berichte zu den Öllagerbeständen des American Petroleum Institute (API) und der US-Energieinformationsbehörde (EIA) beeinflussen den Preis von WTI-Öl. Veränderungen der Lagerbestände spiegeln Schwankungen von Angebot und Nachfrage wider. Zeigen die Daten einen Rückgang der Lagerbestände, kann dies auf eine gestiegene Nachfrage hindeuten und den Ölpreis nach oben treiben. Höhere Lagerbestände können auf ein größeres Angebot hinweisen und die Preise unter Druck setzen. Der Bericht des API erscheint jeden Dienstag, der der EIA jeweils am folgenden Tag. Die Ergebnisse sind in der Regel ähnlich: In 75 % der Fälle weichen sie um höchstens 1 % voneinander ab. Die Daten der EIA gelten als zuverlässiger, da es sich um eine staatliche Behörde handelt.
Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ist ein Zusammenschluss von zwölf Ölförderländern, die bei zweimal jährlich stattfindenden Treffen gemeinsam die Förderquoten für die Mitgliedsländer festlegen. Ihre Entscheidungen wirken sich häufig auf die Preise von WTI-Öl aus. Beschließt die OPEC, die Quoten zu senken, kann dies das Angebot verknappen und die Ölpreise nach oben treiben. Erhöht die OPEC die Förderung, hat dies den gegenteiligen Effekt. OPEC+ bezeichnet eine erweiterte Gruppe, der zusätzlich zehn Nicht-OPEC-Länder angehören, allen voran Russland.