WTI steigt angesichts von Versorgungsrisiken im Nahen Osten über 101,00 US-Dollar

  • Der WTI-Preis springt am Donnerstag im frühen asiatischen Handel auf knapp 101,20 US-Dollar.
  • Ein Angriff auf eine Raffinerie in Saudi-Arabien und Sorgen über einen möglichen US-Angriff auf den Iran nach den US-Zwischenwahlen treiben den WTI-Preis nach oben.
  • Die Rohölbestände sind in der Woche zum 23. Oktober um 1,462 Millionen Barrel gesunken, teilte die EIA mit.

West Texas Intermediate (WTI), die Referenzsorte für US-Rohöl, wird am Donnerstag im frühen asiatischen Handel bei rund 101,20 US-Dollar gehandelt. WTI legt angesichts erneuter Sorgen über zusätzliche Störungen der Energieversorgung im Nahen Osten zu.

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Reuters berichtete, dass die mit dem Iran verbündeten Huthi im Jemen am Mittwoch den Flughafen Aden angegriffen hätten, nachdem die Gruppe die Menschen zur Evakuierung der Anlage aufgefordert hatte. Am Dienstag hatten die Huthi erklärt, eine ballistische Rakete auf die Ölraffinerie Ras Tanura im Osten Saudi-Arabiens abgefeuert zu haben. Sie ist die größte Raffinerie des Königreichs.

US-Regierungsvertreter haben mehreren Ländern im Nahen Osten und regionalen Verbündeten mitgeteilt, sie sollten sich nach den US-Zwischenwahlen in der kommenden Woche auf mögliche erneute Militäraktionen gegen den Iran vorbereiten. Zugleich sollten sie sich darauf einstellen, dass der Iran versuchen könnte, Vergeltungsangriffe gegen sie zu verüben.

„Rohöl-Futures preisen erneut ein kurzfristig knapperes Angebot ein, nachdem bekannt wurde, dass die USA ihre Militäroperationen wahrscheinlich bald wieder aufnehmen werden. Angesichts der jüngsten Angriffe auf Saudi-Arabien und andere Verbündete im Nahen Osten könnten diese heftiger ausfallen als in der Vergangenheit“, sagte Dennis Kissler, Senior Vice President für den Handel beim US-Finanzdienstleister BOK Financial.

Die US-Rohölbestände sind in der vergangenen Woche stärker gesunken als erwartet. Laut der Energy Information Administration (EIA) gingen die Rohölvorräte in der Woche zum 23. Oktober um 1,462 Millionen Barrel zurück, nach einem Rückgang um 3,061 Millionen Barrel in der Vorwoche. Der Marktkonsens hatte bei einem Rückgang um 300.000 Barrel gelegen.

Risiken im Nahen Osten und Frachtkosten begünstigen weiter steigende Rohölpreise

Nach Einschätzung von TD Securities dürften die Rohölpreise kurzfristig weiter gestützt bleiben. Die Bank erwartet, dass „bei Rohöl kurzfristig weiterhin die Aufwärtsrisiken überwiegen, da das Eskalationsrisiko vor den Wahlen in Israel und den US-Zwischenwahlen erhöht bleibt“. Die Analysten betonen, dass „die jüngsten Huthi-Angriffe zu einer höheren eingepreisten Risikoprämie am Markt geführt haben, während die anhaltenden iranischen Angriffe auf Tanker offenbar einen Teil der Öltransporte durch die Straße von Hormus erfolgreich reduziert haben“. Dies verstärkt die in den aktuellen Preisen enthaltene geopolitische Risikoprämie.

TD Securities verweist zudem auf die Entwicklung der Frachtkosten als zunehmend wichtigen Faktor: „Neben der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten sind die Frachtraten zunehmend zum entscheidenden zusätzlichen Preistreiber geworden. Hohe Einstandspreise einschließlich Transportkosten könnten für Raffinerien das Aufwärtspotenzial der Rohölpreise begrenzen, da schwächere Margen den Rohöldurchsatz der Raffinerien einschränken könnten.“ Nach Einschätzung der Analysten stützt die Kombination aus erhöhten geopolitischen Risiken und steigenden Frachtkosten die Rohölpreise, auch wenn der Druck auf die Raffineriemargen das Ausmaß weiterer Kursgewinne begrenzen könnte.

Chart Analysis WTI US OIL


Technische Analyse: WTI behält oberhalb des 100-Tage-SMA einen positiven Ausblick

Im Tageschart setzt WTI US Oil seinen Anstieg deutlich oberhalb des einfachen gleitenden 20-Tage-Durchschnitts der Bollinger-Bänder und des einfachen gleitenden 100-Tage-Durchschnitts (SMA) fort. Damit bleibt die kurzfristige Tendenz klar bullisch, während der Kurs in die obere Hälfte des Bollinger-Kanals vordringt. Der Relative-Stärke-Index (14) liegt mit 63 im bullischen Bereich, bleibt jedoch unterhalb der überkauften Zone. Dies deutet auf ein solides, aber noch nicht übermäßig ausgereiztes Aufwärtsmomentum hin.

Auf der Oberseite liegt der erste Widerstand am oberen Bollinger-Band bei rund 104,00 US-Dollar. Dort könnte die jüngste dynamische Aufwärtsbewegung erste Gewinnmitnahmen auslösen. Auf der Unterseite liegt die unmittelbare Unterstützung an der psychologisch wichtigen Marke von 100,00 US-Dollar, gefolgt vom mittleren Bollinger-Band bei etwa 95,10 US-Dollar und dem unteren Bollinger-Band bei rund 86,15 US-Dollar. Ein Unterschreiten dieses Niveaus könnte den Weg zum 100-Tage-SMA bei etwa 85,15 US-Dollar freimachen. Solange der übergeordnete Aufwärtstrend intakt bleibt, dürften diese Niveaus Käufer anziehen, die Rücksetzer zum Einstieg nutzen.

(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)

Häufig gestellte Fragen zu WTI-Öl

WTI-Öl ist eine Rohölsorte, die an den internationalen Märkten gehandelt wird. WTI steht für West Texas Intermediate und zählt neben Brent und Dubai Crude zu den drei wichtigsten Rohölsorten. Aufgrund seiner vergleichsweise geringen Dichte und seines niedrigen Schwefelgehalts wird WTI auch als „leicht“ beziehungsweise „süß“ bezeichnet. Es gilt als hochwertiges Öl, das sich leicht raffinieren lässt. Es wird in den Vereinigten Staaten gefördert und über den Umschlagplatz Cushing verteilt, der als „Pipeline-Kreuzung der Welt“ gilt. WTI dient als Referenzsorte für den Ölmarkt, und sein Preis wird häufig in den Medien genannt.

Wie bei allen Vermögenswerten sind Angebot und Nachfrage die wichtigsten Einflussfaktoren für den Preis von WTI-Öl. So kann das weltweite Wirtschaftswachstum eine steigende Nachfrage bewirken, während ein schwaches globales Wachstum den gegenteiligen Effekt haben kann. Politische Instabilität, Kriege und Sanktionen können das Angebot beeinträchtigen und die Preise beeinflussen. Die Entscheidungen der OPEC, einer Gruppe wichtiger ölfördernder Länder, sind ein weiterer wesentlicher Preistreiber. Auch der Wert des US-Dollars beeinflusst den Preis von WTI-Rohöl, da Öl überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer US-Dollar kann Öl somit erschwinglicher machen, während ein stärkerer US-Dollar den gegenteiligen Effekt hat.

Die wöchentlichen Ölbestandsberichte des American Petroleum Institute (API) und der US-Energiebehörde EIA beeinflussen den Preis von WTI-Öl. Veränderungen der Lagerbestände spiegeln Schwankungen von Angebot und Nachfrage wider. Zeigen die Daten einen Rückgang der Bestände, kann dies auf eine gestiegene Nachfrage hindeuten und den Ölpreis nach oben treiben. Höhere Bestände können auf ein gestiegenes Angebot hinweisen und die Preise drücken. Der Bericht des API wird jeden Dienstag veröffentlicht, der Bericht der EIA am darauffolgenden Tag. Die Ergebnisse sind in der Regel ähnlich: In 75 % der Fälle weichen sie um höchstens 1 % voneinander ab. Die EIA-Daten gelten als zuverlässiger, da sie von einer staatlichen Behörde stammen.

Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ist eine Gruppe von zwölf ölfördernden Staaten, die bei zweimal jährlich stattfindenden Treffen gemeinsam über die Förderquoten der Mitgliedsländer entscheiden. Ihre Entscheidungen wirken sich häufig auf die Preise von WTI-Öl aus. Beschließt die OPEC eine Senkung der Quoten, kann dies das Angebot verknappen und die Ölpreise nach oben treiben. Erhöht die OPEC ihre Förderung, hat dies den gegenteiligen Effekt. OPEC+ bezeichnet eine erweiterte Gruppe, der zehn weitere Länder außerhalb der OPEC angehören. Das bedeutendste von ihnen ist Russland.