Pfund wieder über 1,33: Als Nächstes stehen US-Inflationsdaten an

  • GBP/USD beendet eine dreitägige Verlustserie und steigt wieder über 1,3300.
  • Der erste Haushalt von Finanzminister Healey lässt weniger fiskalischen Spielraum, die Renditen britischer Staatsanleihen geben nach.
  • Die US-PCE-Kerninflation für September wird am Donnerstag veröffentlicht und bei 3,1 % erwartet.

Der erste Kursgewinn von GBP/USD seit vier Handelstagen ging auf einen schwächeren Dollar zurück, nachdem die Fed die Zinsen unverändert gelassen hatte. Der erste Haushalt von Finanzminister Healey hatte damit wenig zu tun. Das Tagestief des Währungspaars knapp über 1,3250, zugleich der niedrigste Stand seit Mitte Oktober, wurde deutlich vor der Haushaltsrede erreicht. Während der Rede bewegte sich das Paar kaum und notiert nach dem Fed-Entscheid knapp über 1,3300.

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Das Office for Budget Responsibility (OBR) beziffert den fiskalischen Spielraum von Finanzminister Healey für 2029/30 auf 15 Milliarden Pfund, nach 24 Milliarden Pfund im März, trotz neuer Steuern auf Banken und Glücksspiel. Die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen gab dennoch nach. Dabei sieht der Haushalt laut OBR-Prognose für dieses Jahr zusätzliche Schuldzinsen von rund 14 Milliarden Pfund vor, fast so viel wie der verbleibende Spielraum. Gegenüber dem Euro liegt das Pfund an diesem Tag im Minus. Der Anstieg von GBP/USD ist somit auf den Rückgang des Dollars zurückzuführen.

Die Fed beließ ihren Leitzins bei 3,75 % bis 4,00 %. Fed-Chef Warsh erklärte, die seit September verschärften Kreditbedingungen, darunter höhere Finanzierungskosten für den Ausbau des Technologiesektors, zeigten, dass die Geldpolitik der Fed wirke. Der Dollar-Index erreichte sein Tagestief, während Warsh Fragen beantwortete. Im selben Zeitraum markierte GBP/USD sein Tageshoch.

Die nächsten Termine

Der Kernpreisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) für September wird am Donnerstag um 12:30 Uhr GMT veröffentlicht. Erwartet wird eine Jahresrate von 3,1 % nach 3 %. Die Gesamtrate wird bei 3,6 % nach 3,4 % erwartet. Am Freitag folgt um 12:30 Uhr GMT der Arbeitskostenindex für das dritte Quartal, für den ein Anstieg von 0,8 % nach 0,9 % prognostiziert wird. Dies sind die ersten US-Preis- und Lohndaten seit der Zinspause. Sie sind entscheidend für die Frage, ob die Fed im Dezember die Zinsen anhebt.

Bis zum Wochenende stehen keine Veröffentlichungen aus dem Vereinigten Königreich an. Damit ist die Entscheidung der Bank of England (BoE) am 5. November der nächste Termin auf der Pfund-Seite. Nahezu alle Analysehäuser erwarten, dass sie den britischen Leitzins von 3,75 % auf 4,00 % anhebt.

Die charttechnische Lage

GBP/USD stieg von knapp unter 1,3150 am 14. Oktober auf etwas über 1,3400 am 22. Oktober. Mit dem Rückgang bis zum Tief vom Mittwoch gab das Paar etwa die Hälfte dieses Anstiegs wieder ab. Es notiert unter dem exponentiellen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt (EMA) bei etwa 1,3350 und dem 200-Tage-EMA knapp unter 1,3400, in dessen Nähe es vom 20. bis 22. Oktober gehandelt wurde. Die Momentumindikatoren auf Tagesbasis liegen auch nach den drei Verlusttagen noch im überkauften Bereich.


GBP/USD-Tageschart

Häufig gestellte Fragen zum Pfund Sterling

Das Pfund Sterling (GBP) ist die älteste Währung der Welt (886 n. Chr.) und die offizielle Währung des Vereinigten Königreichs. Es ist die am vierthäufigsten gehandelte Währung am weltweiten Devisenmarkt (FX). Laut Daten aus dem Jahr 2022 entfallen auf das Pfund 12 % aller Transaktionen, mit einem durchschnittlichen Tagesvolumen von 630 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Währungspaaren zählen GBP/USD, auch als „Cable“ bekannt, mit einem Anteil von 11 % am Devisenhandel, GBP/JPY, unter Händlern als „Dragon“ bezeichnet (3 %), und EUR/GBP (2 %). Das Pfund Sterling wird von der Bank of England (BoE) ausgegeben.

Der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor für den Wert des Pfund Sterling ist die Geldpolitik der Bank of England. Die BoE richtet ihre Entscheidungen danach aus, ob sie ihr vorrangiges Ziel der „Preisstabilität“ erreicht hat, also eine beständige Inflationsrate von rund 2 %. Ihr wichtigstes Instrument hierfür ist die Anpassung der Zinssätze. Ist die Inflation zu hoch, versucht die BoE, sie durch Zinserhöhungen einzudämmen. Dadurch werden Kredite für Privatpersonen und Unternehmen teurer. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf das GBP aus, da höhere Zinsen das Vereinigte Königreich für internationale Anleger als Anlageort attraktiver machen. Sinkt die Inflation zu stark, deutet dies auf ein nachlassendes Wirtschaftswachstum hin. In diesem Fall erwägt die BoE Zinssenkungen, um Kredite zu verbilligen. Unternehmen sollen dadurch mehr Kredite aufnehmen und in wachstumsfördernde Projekte investieren.

Veröffentlichte Wirtschaftsdaten geben Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft und können den Wert des Pfund Sterling beeinflussen. Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor sowie Beschäftigungsdaten können die Kursrichtung des GBP bestimmen. Eine starke Wirtschaft ist gut für das Pfund. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die BoE auch zu Zinserhöhungen veranlassen, die das GBP unmittelbar stärken. Fallen die Wirtschaftsdaten hingegen schwach aus, dürfte das Pfund Sterling nachgeben.

Eine weitere wichtige Datenveröffentlichung für das Pfund Sterling ist die Handelsbilanz. Dieser Indikator misst die Differenz zwischen den Einnahmen eines Landes aus Exporten und seinen Ausgaben für Importe innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Stellt ein Land stark nachgefragte Exportgüter her, profitiert seine Währung allein schon von der zusätzlichen Nachfrage ausländischer Käufer, die diese Waren erwerben möchten. Ein Handelsbilanzüberschuss stärkt daher eine Währung, während ein Handelsbilanzdefizit sie schwächt.