Anstehende US-Arbeitsmarktdaten am Freitag belasten den vom Einmonatshoch zurückgefallenen Euro

  • EUR/USD notiert knapp über 1,1200, nachdem das Währungspaar den höchsten Stand seit Anfang Oktober erreicht hatte.
  • Laut EZB-Präsidentin Lagarde entscheiden die bis Dezember eingehenden Daten über eine Zinserhöhung.
  • Am Freitag stehen die US-Arbeitsmarktdaten an, gefolgt vom BIP der Eurozone für das dritte Quartal am 13. November.

Die Erzeugerpreise in der Eurozone stiegen im September gegenüber dem Vorjahr um 11,1 %. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Lagarde, erklärte, die bis Dezember eingehenden Daten würden über eine Zinserhöhung entscheiden. Dennoch hat der Euro gegenüber dem US-Dollar nachgegeben, der einen Teil seiner Verluste vom Mittwoch wettgemacht hat. EUR/USD erreichte am Mittwoch mit knapp unter 1,1300 den höchsten Stand seit Anfang Oktober und notiert nun knapp über 1,1200.

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Die Inflation in der Eurozone erreichte im Oktober mit 4 % ein Dreijahreshoch. EZB-Präsidentin Lagarde erklärte in Mailand, dies sei vor allem auf die Energiepreise zurückzuführen. Das Zinsinstrument dürfe nicht wie ein Hammer geschwungen werden, sagte sie. Dennoch müsse die EZB es einsetzen, um zu verhindern, dass die Inflationserwartungen außer Kontrolle geraten. Bundesbankpräsident Nagel und der Gouverneur der italienischen Notenbank, Panetta, haben beide erklärt, dass im Dezember eine Zinserhöhung erforderlich sein könnte. Damit würde der Einlagensatz von derzeit 2,5 % angehoben.

Der Dollar fiel am Mittwoch auf ein Einmonatstief, nachdem die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat errungen hatten. Gleichzeitig erreichte der Euro einen Höchststand. Am Donnerstag lag die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe dann bei 189.000 und damit um 7.000 unter der Prognose. Die Lohnstückkosten sanken im dritten Quartal jedoch um 0,7 %, während ein Anstieg um 0,6 % erwartet worden war. Nach den Zahlen vom Donnerstag preist der Markt eine Wahrscheinlichkeit von knapp 70 % für eine Zinserhöhung der Fed im Dezember ein, nach über 80 % am Mittwoch. Der Einlagensatz liegt weiterhin eineinviertel Prozentpunkte unter dem Zielband der Fed.

Die anstehenden Termine

EZB-Chefvolkswirt Lane wird am Freitag um 09:30 Uhr GMT eine Rede halten. Um 10:00 Uhr GMT folgen die Einzelhandelsumsätze für September. Erwartet wird ein Rückgang um 0,1 % gegenüber dem Vormonat, nach einem Wachstum von 0,1 %. Am Montag um 09:30 Uhr GMT steht die Sentix-Umfrage an, deren vorheriger Wert bei 2,7 lag. Die zweite Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das dritte Quartal wird am Freitag, dem 13. November, um 10:00 Uhr GMT veröffentlicht, nach einem Wachstum von 0,4 %. Alle drei Veröffentlichungen fließen in die Beratungen der EZB bei ihrer Dezembersitzung ein.

Die US-Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls, NFP) für Oktober werden am Freitag um 13:30 Uhr GMT veröffentlicht. Die Prognose liegt bei 65.000, nach 29.000. Der Verbraucherpreisindex (CPI) für Oktober folgt am Dienstag, dem 10. November. Hier werden 0,3 % nach 0,6 % erwartet. Beide Veröffentlichungen fließen in die Fed-Sitzung am 8. und 9. Dezember ein und beeinflussen damit die andere Seite der Zinsdifferenz.

Die charttechnische Lage

Durch den Rücksetzer wurde etwa ein Drittel des Anstiegs seit dem Tief vom 29. Oktober knapp über 1,1100 wieder abgegeben. Das Währungspaar notiert weiterhin unter dem exponentiellen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt (EMA), der knapp über 1,1300 verläuft. Unter dem 200-Tage-EMA bei knapp über 1,1450 liegt es bereits seit Mitte September. Das Momentum auf Tagesbasis hat aus dem überkauften Bereich nach unten gedreht.


EUR/USD-Tageschart

Häufig gestellte Fragen zum Euro

Der Euro ist die Währung der 20 Länder der Europäischen Union, die zur Eurozone gehören. Er ist nach dem US-Dollar die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt. Im Jahr 2022 entfielen auf ihn 31 % aller Devisentransaktionen, bei einem durchschnittlichen täglichen Handelsumsatz von über 2,2 Billionen US-Dollar. EUR/USD ist das meistgehandelte Währungspaar der Welt und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus, gefolgt von EUR/JPY (4 %), EUR/GBP (3 %) und EUR/AUD (2 %).

Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Zentralbank der Eurozone. Sie legt die Leitzinsen fest und steuert die Geldpolitik. Das vorrangige Mandat der EZB besteht darin, die Preisstabilität zu gewährleisten. Dazu muss sie entweder die Inflation eindämmen oder das Wachstum ankurbeln. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Relativ hohe Zinsen – oder die Erwartung höherer Zinsen – stützen in der Regel den Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft seine geldpolitischen Entscheidungen auf Sitzungen, die achtmal im Jahr stattfinden. Die Entscheidungen werden von den Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Eurozone und sechs ständigen Mitgliedern getroffen, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Die Inflationsdaten der Eurozone, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), sind eine wichtige wirtschaftliche Kennzahl für den Euro. Steigt die Inflation stärker als erwartet, insbesondere über das EZB-Ziel von 2 %, muss die EZB die Zinsen erhöhen, um sie wieder unter Kontrolle zu bringen. Im Vergleich zu anderen Währungsräumen relativ hohe Zinssätze stützen in der Regel den Euro, da sie die Region für internationale Anleger als Standort für die Anlage ihres Geldes attraktiver machen.

Veröffentlichte Konjunkturdaten geben Aufschluss über die wirtschaftliche Verfassung und können den Euro beeinflussen. Indikatoren wie das BIP, die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungsdaten sowie Umfragen zur Verbraucherstimmung können die Kursrichtung der Gemeinschaftswährung bestimmen. Eine starke Wirtschaft ist gut für den Euro. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die EZB auch zu Zinserhöhungen veranlassen, die den Euro unmittelbar stärken. Fallen die Konjunkturdaten hingegen schwach aus, dürfte der Euro nachgeben. Besonders bedeutsam sind die Konjunkturdaten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums (Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien), da auf sie 75 % der Wirtschaftsleistung der Eurozone entfallen.

Eine weitere wichtige Datenveröffentlichung für den Euro ist die Handelsbilanz. Dieser Indikator misst die Differenz zwischen den Exporteinnahmen eines Landes und seinen Ausgaben für Importe über einen bestimmten Zeitraum. Produziert ein Land stark nachgefragte Exportgüter, gewinnt seine Währung allein durch die zusätzliche Nachfrage ausländischer Käufer, die diese Waren erwerben möchten, an Wert. Ein Handelsbilanzüberschuss stärkt daher eine Währung, während ein Handelsbilanzdefizit sie schwächt.