
Die Bank of England (BoE) hat den britischen Leitzins am Donnerstag auf 4 % angehoben, wie vom Markt vollständig eingepreist. Der sechs Handelstage andauernde Anstieg des Pfunds kam knapp oberhalb von 1,3500 zum Stillstand. GBP/USD erreichte dieses Niveau am Mittwoch und damit den höchsten Stand seit Mitte September. Am Donnerstag wurde es erneut erreicht; inzwischen notiert das Paar nahe 1,3450. Es steuert auf den ersten Verlust seit sieben Handelstagen zu.

Alle neun Mitglieder stimmten für eine Zinserhöhung, eines davon für einen halben Prozentpunkt. BoE-Gouverneur Bailey erklärte, die Anhebung dürfe nicht als Auftakt zu einer Serie verstanden werden. Die BoE prognostiziert eine Inflation von rund 5 % bis Mitte 2027, nach 3,5 % im September. Der Markt preist eine Zinserhöhung im Dezember inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 50 % ein, gegenüber rund einem Drittel vor der Abstimmung. Bis Ende 2027 werden weitere Anhebungen um insgesamt 0,75 Prozentpunkte eingepreist.
Der Dollar hat einen Teil seiner Verluste vom Mittwoch wieder aufgeholt, nachdem er im Zuge der Übernahme beider Kongresskammern durch die Demokraten auf ein Monatstief gefallen war. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken auf 189.000, verglichen mit einer Prognose von 196.000. Die Lohnstückkosten gingen im dritten Quartal um 0,7 % zurück, statt um 0,6 % zu steigen. Eine Zinserhöhung der Fed im Dezember wird mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 70 % eingepreist, nach mehr als 80 % am Mittwoch. Der britische Leitzins von 4 % entspricht nun dem oberen Ende der Fed-Zinsspanne von 3,75 % bis 4,00 %.
Die US-Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls, NFP) für Oktober werden am Freitag um 13:30 Uhr GMT veröffentlicht. Erwartet wird ein Stellenzuwachs von 65.000 nach 29.000 im September. Der Präsident der New Yorker Fed, Williams, spricht am Freitag um 09:30 Uhr GMT, Fed-Gouverneurin Bowman um 17:15 Uhr GMT. Der Verbraucherpreisindex (CPI) für Oktober folgt am Dienstag, dem 10. November, um 13:30 Uhr GMT. Erwartet wird ein Anstieg um 0,3 % nach 0,6 %. All diese Daten und Äußerungen fließen in die Fed-Sitzung am 8. und 9. Dezember ein.
BoE-Gouverneur Bailey spricht am Montag um 17:25 Uhr GMT, die stellvertretende BoE-Gouverneurin Lombardelli am Dienstag um 12:30 Uhr GMT und BoE-Chefvolkswirt Pill um 18:30 Uhr GMT. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal wird am Donnerstag, dem 12. November, um 07:00 Uhr GMT veröffentlicht, nachdem zuvor ein Wachstum von 0,5 % verzeichnet worden war. Die Daten fließen in die Dezember-Sitzung der BoE ein.
Die Tageskerze vom Donnerstag liegt innerhalb der Handelsspanne vom Mittwoch. Der Rücksetzer vom Hoch hat etwa ein Viertel des Anstiegs seit dem Tief vom 28. Oktober knapp oberhalb von 1,3250 wieder aufgezehrt. Das Paar notiert sowohl über dem exponentiellen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt (EMA) knapp oberhalb von 1,3350 als auch über dem 200-Tage-EMA knapp unterhalb von 1,3400. Der 50-Tage-EMA liegt dabei weiterhin unter dem 200-Tage-EMA. Das Momentum auf Tagesbasis befindet sich im überkauften Bereich und beginnt nach unten zu drehen.

Das Pfund Sterling (GBP) ist die älteste Währung der Welt (886 n. Chr.) und die offizielle Währung des Vereinigten Königreichs. Es ist die am vierthäufigsten gehandelte Währung am weltweiten Devisenmarkt (FX). Laut Daten aus dem Jahr 2022 entfallen auf das Pfund 12 % aller Transaktionen, mit einem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen von 630 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Handelspaaren zählen GBP/USD, auch als „Cable“ bekannt, mit einem Anteil von 11 % am Devisenhandel, GBP/JPY, unter Händlern auch „Dragon“ genannt (3 %), sowie EUR/GBP (2 %). Das Pfund Sterling wird von der Bank of England (BoE) ausgegeben.
Der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor für den Wert des Pfund Sterling ist die Geldpolitik der Bank of England. Die BoE richtet ihre Entscheidungen danach aus, ob sie ihr vorrangiges Ziel der „Preisstabilität“ erreicht hat, also eine beständige Inflationsrate von rund 2 %. Ihr wichtigstes Instrument dafür ist die Anpassung der Zinssätze. Bei zu hoher Inflation versucht die BoE, diese durch Zinserhöhungen einzudämmen. Dadurch verteuern sich Kredite für Privatpersonen und Unternehmen. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf das GBP aus, da höhere Zinsen das Vereinigte Königreich für internationale Anleger attraktiver machen. Sinkt die Inflation zu stark, deutet dies auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums hin. In diesem Fall zieht die BoE Zinssenkungen in Betracht, um Kredite zu verbilligen. Dies soll Unternehmen dazu bewegen, mehr Kredite aufzunehmen und in wachstumsfördernde Projekte zu investieren.
Veröffentlichte Wirtschaftsdaten geben Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft und können den Wert des Pfund Sterling beeinflussen. Indikatoren wie das BIP, die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor sowie Beschäftigungsdaten können die Kursrichtung des GBP beeinflussen. Eine starke Wirtschaft ist positiv für das Pfund. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die BoE auch zu Zinserhöhungen veranlassen, was das GBP unmittelbar stärkt. Fallen die Wirtschaftsdaten hingegen schwach aus, dürfte das Pfund Sterling nachgeben.
Eine weitere wichtige Datenveröffentlichung für das Pfund Sterling ist die Handelsbilanz. Dieser Indikator misst die Differenz zwischen den Exporteinnahmen eines Landes und seinen Ausgaben für Importe über einen bestimmten Zeitraum. Produziert ein Land stark nachgefragte Exportgüter, profitiert seine Währung allein schon von der zusätzlichen Nachfrage ausländischer Käufer, die diese Waren erwerben möchten. Ein Handelsbilanzüberschuss stärkt daher eine Währung, während ein Handelsbilanzdefizit sie schwächt.