
Gold (XAU/USD) gerät am Donnerstag erneut unter Verkaufsdruck und fällt im asiatischen Handel wieder unter 4.050 US-Dollar. Damit endet eine dreitägige Gewinnserie, die den Kurs am Vortag auf ein Wochenhoch geführt hatte. Der US-Dollar (USD) gewinnt nach dem korrektiven Rückgang vom Zweiwochenhoch im Anschluss an die FOMC-Sitzung am Mittwoch wieder an Stärke und erweist sich als wesentlicher Belastungsfaktor für das Edelmetall.

Wie weithin erwartet, beließ die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen zum Abschluss ihrer geldpolitischen Sitzung im Oktober unverändert. Die Entscheidung fiel mit zehn zu zwei Stimmen, wobei sich Fed-Gouverneurin Lisa Cook und die Präsidentin der Fed von Cleveland, Beth Hammack, für eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt aussprachen. Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte unterdessen auf der Pressekonferenz nach der Sitzung, dass die Notenbank angesichts der hartnäckigen Inflation und geopolitischer Risiken wachsam bleibt. Hinzu kommen Sorgen über energiebedingten Preisdruck, was die Aussicht auf eine weitere Straffung durch die Fed untermauert. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group rechnen Händler derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 % damit, dass die US-Notenbank die Zinsen auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Dezember anheben wird. Dieser restriktive Ausblick belebt wiederum die Nachfrage nach dem USD und trägt dazu bei, dass Kapital aus dem unverzinsten Gold abfließt.
Zusätzlich stützen Befürchtungen einer weiteren Eskalation der Spannungen im Nahen Osten den US-Dollar als sicheren Hafen. So berichtete das Wall Street Journal am Dienstag, US-Regierungsvertreter hätten mehreren arabischen Golfstaaten geraten, sich auf einen kurzen und intensiven Militäreinsatz gegen den Iran nach den Zwischenwahlen am 3. November vorzubereiten. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte hingegen, die Streitkräfte seien bereit, das Land zu verteidigen. Zugleich werde Teheran in engem Kontakt mit Vermittlern bleiben, um der Diplomatie eine Chance zu geben. Unterdessen bemühen sich regionale Vermittler unter Führung Katars darum, die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran wieder aufzunehmen, um ein Wiederaufflammen des Krieges zu verhindern. Unabhängig davon soll US-Vizepräsident JD Vance einen Brief an Mohsen Rezaei, den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran, geschickt haben, um die Friedensverhandlungen wiederzubeleben.
Dennoch bleiben die geopolitischen Risiken bestehen, da die heftigen Kämpfe zwischen der vom Iran unterstützten Huthi-Gruppe und der von Saudi-Arabien unterstützten Regierung im Jemen weitergehen. Zuletzt erklärten die Huthis am Dienstag, sie hätten die saudische Ölraffinerie Ras Tanura – die größte des Königreichs – mit einer ballistischen Rakete angegriffen. Darüber hinaus schürten Angriffe auf Pumpstationen entlang der saudischen Ost-West-Ölpipeline zu Wochenbeginn die Angst vor Lieferunterbrechungen und stützten die Rohölpreise. Dies begünstigt wiederum die USD-Bullen und deutet darauf hin, dass der Weg des geringsten Widerstands für den Goldpreis weiterhin nach unten führt. Händler könnten jedoch von aggressiven Positionierungen absehen und zunächst die Veröffentlichung wichtiger US-Konjunkturdaten abwarten – der ersten BIP-Schätzung für das dritte Quartal und des Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE).
Das Währungspaar XAU/USD bewegt sich seit etwa einem Monat in einem abwärtsgerichteten Trendkanal und bleibt im 4-Stunden-Chart unterhalb des exponentiellen gleitenden Durchschnitts (EMA) über 100 Perioden kurzfristig bärisch ausgerichtet. Unterdessen ist der Moving Average Convergence Divergence (MACD) in den positiven Bereich gestiegen, während sich der Relative-Stärke-Index (RSI) mit rund 47,5 nahe der neutralen Zone bewegt. Die Verbesserung der Momentumindikatoren deutet allerdings lediglich auf eine korrektive Erholung innerhalb des übergeordneten Abwärtstrends hin, der durch den fallenden Trendkanal vorgegeben wird.
Daher dürfte jeder Erholungsversuch zunächst auf Widerstand am 100-Perioden-EMA bei 4.105 US-Dollar stoßen. Darauf folgt eine stärkere Hürde an der oberen Kanalbegrenzung bei rund 4.125 US-Dollar, wo erneut Verkaufsdruck aufkommen könnte. Auf der Unterseite könnte die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar als nächste nennenswerte Unterstützung dienen, gefolgt von der unteren Begrenzung des abwärtsgerichteten Parallelkanals bei rund 3.946 US-Dollar. Ein klarer Bruch unter diese Unterstützung würde die vorherrschende bärische Struktur bestätigen und den Weg für weitere Verluste in den kommenden Handelssitzungen ebnen.
(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)
Die Geldpolitik in den USA wird von der Federal Reserve (Fed) bestimmt. Die Fed hat ein doppeltes Mandat: Sie soll Preisstabilität gewährleisten und Vollbeschäftigung fördern. Ihr wichtigstes Instrument zur Erreichung dieser Ziele ist die Anpassung der Zinssätze. Wenn die Preise zu schnell steigen und die Inflation über dem Zielwert der Fed von 2 % liegt, erhöht sie die Zinsen. Dadurch steigen die Kreditkosten in der gesamten Wirtschaft. Dies führt zu einem stärkeren US-Dollar (USD), da es für internationale Anleger attraktiver wird, ihr Geld in den USA anzulegen. Wenn die Inflation unter 2 % fällt oder die Arbeitslosenquote zu hoch ist, kann die Fed die Zinsen senken, um die Kreditaufnahme anzuregen. Dies belastet den US-Dollar.
Die Federal Reserve (Fed) hält jährlich acht geldpolitische Sitzungen ab, bei denen der Offenmarktausschuss (FOMC) die Wirtschaftslage bewertet und geldpolitische Entscheidungen trifft. Dem FOMC gehören zwölf Fed-Vertreter an – die sieben Mitglieder des Gouverneursrats, der Präsident der Federal Reserve Bank of New York sowie vier der übrigen elf regionalen Notenbankpräsidenten, die nach einem Rotationsverfahren jeweils für ein Jahr im Ausschuss vertreten sind.
In Extremsituationen kann die Federal Reserve auf eine Politik der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, QE) zurückgreifen. Dabei erhöht die Fed den Kreditfluss in einem ins Stocken geratenen Finanzsystem erheblich. Es handelt sich um eine unkonventionelle geldpolitische Maßnahme, die in Krisenzeiten oder bei extrem niedriger Inflation eingesetzt wird. Während der großen Finanzkrise 2008 war sie das bevorzugte Instrument der Fed. Dabei schöpft die Fed zusätzliche US-Dollar und kauft damit von Finanzinstituten Anleihen hoher Bonität. QE schwächt in der Regel den US-Dollar.
Die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist der umgekehrte Prozess der quantitativen Lockerung. Dabei stellt die Federal Reserve den Kauf von Anleihen von Finanzinstituten ein und reinvestiert die Tilgungsbeträge aus fällig werdenden Anleihen in ihrem Bestand nicht in neue Anleihen. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den Wert des US-Dollars aus.