
Gold (XAU/USD) fällt am Mittwoch im asiatischen Handel auf ein neues Wochentief. Die Bären warten jedoch weiterhin auf einen nachhaltigen Durchbruch unter die Marke von 4.100 US-Dollar und eine Etablierung darunter, bevor sie sich für weitere Verluste positionieren. Inflationsrisiken infolge der volatilen Ölpreise stützen die Aussicht auf eine weitere geldpolitische Straffung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Zudem belastet die leichte Erholung des US-Dollars (USD) von seinem am Dienstag erreichten knapp dreiwöchigen Tief das Edelmetall.

Die Rohölpreise vollzogen am Dienstag im Tagesverlauf eine deutliche Abwärtswende von einem mehr als einmonatigen Hoch, nachdem erneut Hoffnungen auf Friedensgespräche zwischen den USA und Iran aufgekommen waren. Einem unbestätigten Bericht zufolge hatten Katar und Pakistan den USA und Iran einen Kompromissplan vorgelegt, der die Forderungen beider Seiten erfüllte. Bloomberg berichtete später jedoch, dass ein an den Verhandlungen zwischen den USA und Iran beteiligter Diplomat Meldungen widersprochen habe, wonach eine Einigung kurz bevorstehe. Zudem erklärte der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf laut staatlichen Medien gegenüber Pakistans Armeechef Asim Munir, die USA könnten Irans Vertrauen nicht gewinnen, ohne zuvor erklärte Bedingungen zu erfüllen. Dazu gehörten die Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen und die Freigabe der eingefrorenen Vermögenswerte des Landes. Dies dämpfte wiederum die Erwartungen eines unmittelbar bevorstehenden Durchbruchs.
Darüber hinaus erklärte Irans Erster Vizepräsident, das Land habe keine andere Wahl, als seine Hoheitsrechte über die Straße von Hormus auszuüben. Dies verschärfte die Sorgen über Unterbrechungen der Rohölversorgung und verhalf den Ölpreisen zu einer raschen Erholung vom Wochentief. Zusammen mit den in der vergangenen Woche veröffentlichten hohen US-Inflationswerten bestärkt dies die Markterwartungen einer baldigen Zinserhöhung durch die Fed. Laut dem FedWatch Tool der CME Group preisen Händler derzeit eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 % dafür ein, dass die US-Notenbank die Zinsen im Dezember erneut anhebt. Zudem stützt die Unsicherheit über die Nahostkrise den als sicheren Hafen gefragten US-Dollar etwas. Dies setzt den Goldpreis den vierten Tag in Folge zusätzlich unter Druck und spricht für weitere Verluste.
Anleger könnten jedoch von größeren Positionierungen in eine bestimmte Kursrichtung absehen und stattdessen weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der Fed abwarten. Im Fokus bleiben daher das Ergebnis der zweitägigen FOMC-Sitzung am 28. Oktober und der US-Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, dessen Veröffentlichung für den 29. Oktober vorgesehen ist. Darüber hinaus dürften die geldpolitischen Entscheidungen anderer großer Zentralbanken in der kommenden Woche – der Reserve Bank of New Zealand (RBNZ), der Bank of Canada (BoC), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of Japan (BoJ) – dem unverzinsten Gold wichtige Impulse geben. Insgesamt begünstigt das fundamentale Umfeld jedoch die Bären bei XAU/USD und deutet darauf hin, dass der Weg des geringsten Widerstands weiterhin nach unten führt.
Der in der vergangenen Nacht gescheiterte Versuch, den exponentiellen gleitenden Durchschnitt (EMA) über 100 Perioden im 4-Stunden-Chart zu überwinden, und der anschließende Rückgang bestätigen den negativen Ausblick. Zudem bleibt der Moving Average Convergence Divergence (MACD) mit seinem jüngsten Wert von -4,65 im negativen Bereich, während der Relative-Stärke-Index (RSI) bei 39,16 liegt. Dies unterstreicht die schwache Dynamik, ohne bereits einen überverkauften Zustand anzuzeigen. Ein Rückgang unter die Marke von 4.100 US-Dollar würde die bärische Tendenz bestätigen und das markante Monatstief im Bereich von 4.066 US-Dollar ins Visier rücken.
Weitere Anschlussverkäufe könnten den Rückgang des Goldpreises in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar beschleunigen. Darunter läge das im Juni erreichte Jahrestief im Bereich von 3.943 bis 3.942 US-Dollar als nächstes Ziel. Auf der Oberseite könnte der 100-Perioden-EMA bei rund 4.175 US-Dollar weiterhin als unmittelbarer starker Widerstand fungieren. Ein nachhaltiger Anstieg über diese Hürde wäre erforderlich, um die derzeitige bärische Stimmung aufzuhellen und den Weg für eine stärkere Erholungsphase zu ebnen.
(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)
Die Geldpolitik in den USA wird von der Federal Reserve (Fed) bestimmt. Die Fed hat ein doppeltes Mandat: Sie soll Preisstabilität gewährleisten und Vollbeschäftigung fördern. Ihr wichtigstes Instrument zur Erreichung dieser Ziele ist die Anpassung der Zinssätze. Wenn die Preise zu schnell steigen und die Inflation über dem Zielwert der Fed von 2 % liegt, erhöht sie die Zinsen. Dadurch steigen die Finanzierungskosten in der gesamten Wirtschaft. Dies stärkt den US-Dollar (USD), da die USA für internationale Anleger als Standort für ihre Geldanlagen attraktiver werden. Wenn die Inflation unter 2 % fällt oder die Arbeitslosenquote zu hoch ist, kann die Fed die Zinsen senken, um die Kreditaufnahme anzukurbeln. Das belastet den US-Dollar.
Die Federal Reserve (Fed) hält jährlich acht geldpolitische Sitzungen ab. Dabei bewertet der Offenmarktausschuss (FOMC) die wirtschaftliche Lage und trifft geldpolitische Entscheidungen. An den FOMC-Sitzungen nehmen zwölf Fed-Vertreter teil: die sieben Mitglieder des Gouverneursrats, der Präsident der Federal Reserve Bank of New York sowie vier der übrigen elf Präsidenten der regionalen Federal Reserve Banks, die nach einem Rotationsprinzip jeweils für ein Jahr dem Ausschuss angehören.
In Extremsituationen kann die Federal Reserve auf eine als quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) bezeichnete Maßnahme zurückgreifen. Dabei erhöht die Fed die Kreditversorgung in einem blockierten Finanzsystem erheblich. Es handelt sich um eine unkonventionelle geldpolitische Maßnahme, die in Krisenzeiten oder bei extrem niedriger Inflation eingesetzt wird. Während der großen Finanzkrise 2008 war sie das bevorzugte Instrument der Fed. Dabei schafft die Fed zusätzliche US-Dollar und kauft damit von Finanzinstituten Anleihen hoher Bonität. QE schwächt in der Regel den US-Dollar.
Die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist der umgekehrte Prozess der quantitativen Lockerung. Dabei stellt die Federal Reserve ihre Anleihekäufe bei Finanzinstituten ein und legt die Rückzahlungen aus fällig werdenden Anleihen in ihrem Bestand nicht wieder in neue Anleihen an. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den Wert des US-Dollars aus.