Australiens Inflation dürfte im September auf 4,2 % steigen

  • Australischer Verbraucherpreisindex dürfte im September etwas stärker steigen
  • Für den von der Reserve Bank of Australia bevorzugten getrimmten Verbraucherpreisindex wird ein Anstieg um 0,3 % gegenüber dem Vormonat erwartet.
  • Der Australische Dollar kämpft darum, die Marke von 0,7000 gegenüber dem US-Dollar zu halten. 

Das australische Statistikamt (ABS) veröffentlicht am Mittwoch um 00:30 Uhr GMT den Verbraucherpreisindex (CPI) für September. Der Bericht dürfte zeigen, dass die Preise gegenüber dem Vorjahr um 4,2 % gestiegen sind, nach 4 % im  August. Auf Monatsbasis wird ein Anstieg des CPI um 0,7 % erwartet, nach 0,4 % im Vormonat.

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Das ABS veröffentlicht außerdem den getrimmten Verbraucherpreisindex (Trimmed Mean CPI), das bevorzugte Inflationsmaß der Reserve Bank of Australia (RBA). Die Jahresrate lag im August bei 3,6 %. Auf Monatsbasis wird für September ein Anstieg des getrimmten CPI um 0,3 % erwartet, nach 0,2 % zuvor.

Vor der Veröffentlichung notiert der Australische Dollar (AUD) nur wenige Pips über der psychologisch wichtigen Marke von 0,7000 gegenüber dem US-Dollar (USD). Letzterer gewinnt angesichts der Risikoaversion und im Vorfeld der geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) an Stärke. 

Was ist von den australischen Inflationsdaten zu erwarten?

Zentralbanken, darunter die RBA, richten ihre geldpolitischen Entscheidungen an der Inflation aus. Preisstabilität ist ein wesentlicher Bestandteil des Mandats aller großen Zentralbanken. Einige verfolgen zudem das Ziel, die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten. Die RBA hat zwei zentrale Ziele: eine niedrige und stabile Inflation sowie eine möglichst hohe Beschäftigung.

Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote Australiens lag im September bei 4,7 % und damit auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Dennoch scheint die Arbeitslosigkeit den Währungshütern weniger Sorgen zu bereiten als die Inflation. In der geldpolitischen Erklärung vom September hieß es: „Die Arbeitslosenquote lag nun nahe dem Niveau, das in den August-Prognosen als Vollbeschäftigung eingestuft wurde.“ Mit Blick auf die Inflation bewerteten die Mitglieder die Inflationsdaten für Juli. Diese veranlassten die Mitarbeiter dazu, für das Septemberquartal eine höhere zugrunde liegende Inflation zu erwarten als noch im August prognostiziert.

„In Unternehmensgesprächen und Umfragen wurde weiterhin vielfach von einem erhöhten Kostenanstieg berichtet. Zugleich gab es kaum Erwartungen, dass dieser Druck im kommenden Jahr deutlich nachlassen würde“, heißt es weiter in der Erklärung. 

Auf der September-Sitzung stimmte der geldpolitische Rat einstimmig dafür, den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,6 % anzuheben. Zugleich hielt er sich weitere Zinserhöhungen offen, da die Inflation laut Sitzungsprotokoll weiterhin „zu hoch“ sei. 

Vor diesem Hintergrund dürften die bevorstehenden Inflationszahlen die Argumente für weitere Zinserhöhungen untermauern und den AUD unter Druck halten. 

Ein Wert von 4,2 % oder mehr dürfte das Währungspaar AUD/USD steigen lassen. Sollte die Inflation sogar den im März erreichten Höchstwert von 4,6 % gegenüber dem Vorjahr übertreffen, dürfte der Australische Dollar kurzfristig Auftrieb erhalten. Ein Wert unter 4 % dürfte hingegen die Zinserhöhungserwartungen dämpfen und den AUD weiter nach unten drücken. Da die Ölpreise jedoch nahe neuen Mehrmonatshochs verharren, sind die Aussichten auf einen anhaltenden Anstieg des AUD recht begrenzt, insbesondere vor der geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).

Es wird allgemein erwartet, dass die Fed die Zinsen unverändert lässt, während die Marktteilnehmer eine Zinserhöhung im Dezember einpreisen. Da Fed-Chef Kevin Warsh jedoch nicht bereit ist, im Voraus Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs zu geben, bleibt eine überraschende Entscheidung jederzeit möglich. Darüber hinaus dürfte die Fed restriktive Signale senden, weshalb ein Rücksetzer des USD wenig wahrscheinlich ist. 

Wie könnte sich der Bericht zum Verbraucherpreisindex auf AUD/USD auswirken?

Wie bereits erwähnt, dürfte die Inflation im September leicht angezogen haben und damit deutlich über dem Zielkorridor der RBA von 2 % bis 3 % liegen. Vor der Veröffentlichung bewegt sich das Währungspaar AUD/USD wenige Pips über 0,7000. 

Valeria Bednarik, Chefanalystin bei FXStreet, erklärt: „Aus technischer Sicht zeigt das Währungspaar AUD/USD im Tageschart ein neutrales bis bullisches Bild. Das Paar hält sich über einem seitwärts verlaufenden einfachen gleitenden 20-Tage-Durchschnitt (SMA), während es mit dem leicht fallenden 100-Tage-SMA bei 0,7030 ringt. Die technischen Indikatoren haben sich unterdessen im positiven Bereich moderat nach oben bewegt, sodass die Chancen eher auf der Oberseite liegen.“

Bednarik ergänzt: „Derselbe Chart zeigt, dass spekulative Marktteilnehmer bereit sind, bei Rücksetzern in Richtung der Marke von 0,7000 zu kaufen, die als unmittelbare Unterstützung dient. Ein klarer Bruch darunter würde den Bereich von 0,6930/50 in den Fokus rücken, gefolgt von 0,6880, dem Monatstief vom Juli. AUD/USD müsste über 0,7070 steigen, um Aufwärtsdynamik zu entwickeln und in Richtung der nächsten Widerstandszone um 0,7130 vorzurücken.“

Häufig gestellte Fragen zur Inflation

Inflation misst den Preisanstieg eines repräsentativen Warenkorbs aus Gütern und Dienstleistungen. Die Gesamtinflation wird üblicherweise als prozentuale Veränderung gegenüber dem Vormonat (MoM) und dem Vorjahr (YoY) angegeben. Die Kerninflation schließt stärker schwankende Komponenten wie Nahrungsmittel und Kraftstoffe aus, deren Preise durch geopolitische und saisonale Faktoren beeinflusst werden können. Volkswirte konzentrieren sich auf die Kerninflation. Sie ist auch die Zielgröße der Zentralbanken, deren Auftrag es ist, die Inflation auf einem vertretbaren Niveau von üblicherweise rund 2 % zu halten.

Der Verbraucherpreisindex (CPI) misst die Preisveränderung eines Warenkorbs aus Gütern und Dienstleistungen über einen bestimmten Zeitraum. Er wird üblicherweise als prozentuale Veränderung gegenüber dem Vormonat (MoM) und dem Vorjahr (YoY) angegeben. Der Kern-CPI ist die Zielgröße der Zentralbanken, da er die volatilen Komponenten Nahrungsmittel und Kraftstoffe ausschließt. Steigt die Kerninflationsrate über 2 %, führt dies in der Regel zu höheren Zinsen. Sinkt sie unter 2 %, gilt das Gegenteil. Da höhere Zinsen eine Währung stützen, führt eine höhere Inflation üblicherweise zu einer stärkeren Währung. Bei sinkender Inflation verhält es sich umgekehrt.

Auch wenn es zunächst widersprüchlich erscheinen mag, lässt eine hohe Inflation in einem Land dessen Währung aufwerten. Bei niedrigerer Inflation gilt das Gegenteil. Der Grund dafür ist, dass die Zentralbank normalerweise die Zinsen erhöht, um die höhere Inflation zu bekämpfen. Dies zieht mehr internationales Kapital von Anlegern an, die nach einer lukrativen Anlagemöglichkeit suchen.

Früher wandten sich Anleger in Zeiten hoher Inflation Gold zu, weil es seinen Wert bewahrte. Zwar kaufen Anleger bei extremen Marktturbulenzen häufig weiterhin Gold wegen seiner Eigenschaften als sicherer Hafen, doch meistens ist dies nicht der Fall. Denn bei hoher Inflation erhöhen die Zentralbanken die Zinsen, um sie zu bekämpfen. Höhere Zinsen wirken sich negativ auf Gold aus, da sie die Opportunitätskosten der Goldhaltung gegenüber einer verzinslichen Anlage oder einem Bankguthaben erhöhen. Umgekehrt ist eine niedrigere Inflation tendenziell positiv für Gold, da sie zu sinkenden Zinsen führt und das Edelmetall als Anlagealternative attraktiver macht.

Konjunkturindikator

Getrimmter Verbraucherpreisindex (im Jahresvergleich)

Der getrimmte Verbraucherpreisindex (Trimmed Mean CPI), den das australische Statistikamt monatlich veröffentlicht, ist ein Maß für die zugrunde liegende Inflation. Der getrimmte Mittelwert wird als gewichteter Durchschnitt der prozentualen Veränderungen der mittleren 70 % der Verteilung aller CPI-Komponenten berechnet, um den Einfluss stärker schwankender Positionen auf die Daten zu glätten. Der Vorjahresvergleich stellt die Preise im Berichtsmonat denen des entsprechenden Vorjahresmonats gegenüber. Ein hoher Wert gilt im Allgemeinen als bullisch für den Australischen Dollar (AUD), ein niedriger Wert hingegen als bärisch.

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Nächste Veröffentlichung: Mi., 28. Oktober 2026, 00:30 Uhr

Häufigkeit: Monatlich

Konsensprognose: -

Vorheriger Wert: 3,6 %

Quelle:Australisches Statistikamt