
Der Dow Jones legte gestern um 3 % zu und verzeichnete damit seine stärkste Rally nach US-Zwischenwahlen seit 44 Jahren. Die Futures deuten heute auf weitere Gewinne hin.
Nach dem umfassenden Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen verbuchte der Dow seinen größten prozentualen Tagesgewinn seit April 2025. Die nun beseitigte Unsicherheit, die Erwartung, dass eine politische Pattsituation das Ausgabenwachstum bremsen könnte, sowie ein kräftiger Ölpreisrückgang um 10 % haben zu sinkenden Renditen von US-Staatsanleihen beigetragen. Die Kontrolle der Demokraten über den Kongress könnte auch den Druck auf die Federal Reserve verringern und den Währungshütern mehr Spielraum für unabhängige Entscheidungen geben.

Angesichts des anhaltenden Ausverkaufs im Technologiesektor sticht der Dow mit seiner starken Entwicklung hervor. Die Demokraten haben sich gegen KI positioniert oder befürworten zumindest ein langsameres Vorgehen als die derzeitige Einführung mit Hochdruck. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem das KI-Anlagethema ohnehin anfällig ist und weiter unter Druck geraten könnte.
Infolgedessen bleibt der Technologiesektor hinter dem Gesamtmarkt zurück. Die Nasdaq-Futures liegen 0,8 % im Minus, während Anleger aus Technologiewerten in die im Dow vertretenen Aktien umschichten.
Die nächste Herausforderung für den Dow Jones ist der morgige US-Arbeitsmarktbericht zur Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, die sogenannten Nonfarm Payrolls (NFP). Erwartet wird eine Verbesserung gegenüber dem schwachen Septemberwert, die auf einen insgesamt stabilen Arbeitsmarkt hindeuten dürfte.
Den Erwartungen zufolge wurden in den USA im Oktober 65.000 neue Stellen geschaffen. Das wäre ein Anstieg gegenüber dem verhaltenen Stellenzuwachs von 29.000 im September, der deutlich unter der Prognose von 130.000 lag.
Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bleiben, nachdem sie im September leicht auf 4,2 % gestiegen war. Für das Lohnwachstum wird eine leichte Beschleunigung prognostiziert. Es dürfte jedoch weiterhin unter einem Tempo bleiben, das den Inflationsdruck verstärken würde.
Frühindikatoren deuten auf einen etwas stärker als erwartet ausfallenden NFP-Bericht hin. Laut ADP stieg die Beschäftigung in der Privatwirtschaft mit 86.000 Stellen stärker als erwartet. Die Beschäftigungskomponente des US-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor von ISM stieg ebenfalls von 50,1 im September auf 51,4. Dagegen sank der ISM-Beschäftigungsindex für das verarbeitende Gewerbe leicht von 52,7 im September auf 52,4 im Oktober. Gleichzeitig nahm die Zahl der offenen Stellen in den USA im September sprunghaft zu, während die Entlassungen auf dem niedrigsten Stand seit 1,5 Jahren liegen.
Die Daten werden zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, zu dem der Markt eine Wahrscheinlichkeit von 80 % für eine Zinserhöhung der Federal Reserve um 25 Basispunkte im kommenden Monat einpreist.
Ein stärker als erwartet ausfallender US-Arbeitsmarktbericht könnte die Erwartungen einer Zinserhöhung im Dezember festigen, die Renditen von US-Staatsanleihen steigen lassen und Aktienindizes wie den Dow Jones belasten. Ein starker Bericht mit mehr als 100.000 neu geschaffenen Stellen und einer Arbeitslosenquote von 4,1 % könnte eine Marktreaktion auslösen und die Erwartungen verstärken, dass die Fed im kommenden Jahr einen restriktiveren Kurs einschlagen wird.
Ein schwächerer Bericht dürfte die Erwartungen einer Zinserhöhung im Dezember kaum grundlegend verändern, da die Fed klar erklärt hat, dass sie innerhalb ihres dualen Mandats derzeit stärker auf die Inflation achtet. Diese liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert von 2 %. Zugleich hat Kevin Warsh erklärt, dass die Arbeitslosenquote und das Beschäftigungswachstum seiner Ansicht nach mit dem Mandat der Fed im Einklang stehen.

Der Dow Jones ist aus seinem Abwärtstrendkanal ausgebrochen. Zuletzt erholte sich der Kurs von der Unterstützung an der oberen Begrenzung des Abwärtstrendkanals bei 51.350 Punkten. Anschließend setzte er seinen Anstieg über den exponentiellen gleitenden Durchschnitt über 50 Perioden (50-EMA) und einen wichtigen Widerstand hinaus bis auf 53.600 Punkte fort. Auch das Momentum stützt den positiven Ausblick: Der RSI liegt über 50.
Die Käufer dürften einen Test des Widerstands bei 53.800 Punkten, dem Septemberhoch, anstreben. Ein Anstieg über diese Marke würde den Fokus auf 54.750 Punkte und neue Rekordstände lenken.
Auf der Unterseite liegt die nächste Unterstützung bei 53.000 Punkten, dem Oktoberhoch. Ein Bruch unter diese Marke würde den 50-EMA bei 52.200 Punkten ins Visier rücken, gefolgt vom gestrigen Tief bei 51.300 Punkten. Darunter richtet sich der Blick auf den 200-EMA bei 50.800 Punkten.