WTI-Öl steigt angesichts neuer Sorgen vor Lieferunterbrechungen über 100 US-Dollar

  • Der WTI-Ölpreis überwindet die Marke von 100 US-Dollar und steuert auf ein Plus von mehr als 10 % über die vergangenen drei Wochen zu.
  • Angriffe auf saudische Ölfelder und die verschärfte Kontrolle Irans über die Straße von Hormus haben die Sorgen vor Lieferunterbrechungen erneut entfacht.
  • Berichte, wonach die USA und Israel weitere koordinierte Angriffe auf den Iran planen, haben zum Anstieg der Ölpreise beigetragen.

Die Ölpreise setzen ihre Rally am Freitag fort. Auftrieb geben Meldungen über eine zunehmende Zahl von Zwischenfällen mit Schiffen, die diese Woche versuchten, die wichtige Straße von Hormus zu passieren. Zugleich haben die vom Iran unterstützten Huthi ihre Angriffe auf saudische Ölfelder wieder aufgenommen. Dadurch ist der Preis der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) am Freitag auf mehr als 100 US-Dollar je Barrel gestiegen und steuert auf einen Zuwachs von mehr als 10 % über die vergangenen drei Wochen zu.

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Sorgen vor Lieferunterbrechungen aus den Golfstaaten rücken wieder in den Vordergrund, nachdem die iranischen Streitkräfte ihre Kontrolle über die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus verschärft haben. Die Marine der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärte, vier weitere Tanker seien bei „illegalen“ Öltransfers getroffen worden. Drei weitere seien beim Versuch, die Meerenge zu durchqueren, auf Minen gelaufen.

Der Nahostkonflikt geht in den achten Monat, ohne dass ein Ende in Sicht ist

Dies geschieht vor dem Hintergrund verstärkter Angriffe der jemenitischen Huthi-Milizen auf Ziele in Saudi-Arabien. Bei Angriffen auf das Shaybah-Ölfeld von Aramco und den Flughafen von Dammam kamen Anfang dieser Woche vier Menschen ums Leben, acht weitere wurden verletzt.

Unterdessen nähert sich der Konflikt zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits seinem achten Monat, ohne dass ein klares Ende absehbar ist. Ein Bericht der New York Times unter Berufung auf US-Regierungsvertreter deutete am Donnerstag darauf hin, dass die USA und Israel möglicherweise Pläne für eine neue Welle koordinierter Angriffe nach den Zwischenwahlen im November ausarbeiten.

Die Revolutionsgarden warnten ihrerseits, weitere Angriffe auf iranischem Boden würden Teheran dazu veranlassen, zu einer offensiven Strategie überzugehen und in Nachbarländer einzumarschieren. Dies würde den Konflikt innerhalb der Region ausweiten und die Rohöllieferungen weiter beeinträchtigen.

Häufig gestellte Fragen zu WTI-Öl

WTI-Öl ist eine Rohölsorte, die an internationalen Märkten gehandelt wird. WTI steht für West Texas Intermediate und zählt neben Brent und Dubai Crude zu den drei wichtigsten Rohölsorten. Aufgrund seiner relativ geringen Dichte und seines niedrigen Schwefelgehalts wird WTI auch als „leicht“ beziehungsweise „süß“ bezeichnet. Es gilt als hochwertiges Öl, das sich leicht raffinieren lässt. Es wird in den Vereinigten Staaten gefördert und über den Umschlagplatz Cushing vertrieben, der als „Pipeline-Kreuzung der Welt“ gilt. WTI dient als Referenzgröße für den Ölmarkt, und sein Preis wird häufig in den Medien genannt.

Wie bei allen Vermögenswerten sind Angebot und Nachfrage die wichtigsten Einflussfaktoren für den WTI-Ölpreis. So kann das weltweite Wirtschaftswachstum die Nachfrage ankurbeln, während ein schwaches globales Wachstum den gegenteiligen Effekt haben kann. Politische Instabilität, Kriege und Sanktionen können das Angebot beeinträchtigen und die Preise beeinflussen. Die Entscheidungen der OPEC, eines Zusammenschlusses wichtiger Ölförderländer, sind ein weiterer wesentlicher Preisfaktor. Auch der Wert des US-Dollars beeinflusst den WTI-Rohölpreis, da Öl überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer US-Dollar kann Öl daher erschwinglicher machen und umgekehrt.

Die wöchentlichen Berichte zu den Öllagerbeständen des American Petroleum Institute (API) und der Energy Information Agency (EIA) beeinflussen den WTI-Ölpreis. Veränderungen der Lagerbestände spiegeln Schwankungen von Angebot und Nachfrage wider. Zeigen die Daten einen Rückgang der Bestände, kann dies auf eine gestiegene Nachfrage hindeuten und den Ölpreis nach oben treiben. Höhere Lagerbestände können ein größeres Angebot widerspiegeln und die Preise drücken. Der API-Bericht erscheint jeden Dienstag, der EIA-Bericht jeweils am darauffolgenden Tag. Ihre Ergebnisse fallen in der Regel ähnlich aus: In 75 % der Fälle weichen sie um höchstens 1 % voneinander ab. Die EIA-Daten gelten als zuverlässiger, da es sich bei der EIA um eine staatliche Behörde handelt.

Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ist ein Zusammenschluss von 12 Ölförderländern, die bei zweimal jährlich stattfindenden Treffen gemeinsam Förderquoten für die Mitgliedsländer festlegen. Ihre Entscheidungen wirken sich häufig auf die WTI-Ölpreise aus. Beschließt die OPEC niedrigere Quoten, kann dies das Angebot verknappen und die Ölpreise nach oben treiben. Erhöht die OPEC die Förderung, hat dies den gegenteiligen Effekt. OPEC+ bezeichnet eine erweiterte Gruppe, der zusätzlich zehn Nicht-OPEC-Länder angehören, darunter als bedeutendstes Mitglied Russland.