
EUR/USD gibt am Montag leicht nach, da eine Erholung des US-Dollars (USD) den Euro (EUR) im Vorfeld der geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) in dieser Woche belastet. Gleichzeitig sorgen die sich verschlechternden Aussichten für Frankreichs Staatsfinanzen und der Druck am Anleihemarkt für zusätzlichen Gegenwind für den Euro.

Zum Zeitpunkt der Berichterstattung notiert das Währungspaar bei rund 1,1183 und damit im Tagesverlauf 0,17 % im Minus. Der US-Dollar-Index (DXY), der den Wert des Greenback gegenüber einem Korb aus sechs wichtigen Währungen abbildet, liegt bei rund 101,99. In der vergangenen Woche war er auf 101,45 und damit auf den tiefsten Stand seit dem 1. Oktober gefallen.
Die Fed gibt ihre Entscheidung am Mittwoch bekannt, die EZB folgt am Donnerstag. Allgemein wird erwartet, dass beide Zentralbanken die Zinsen unverändert lassen. Die Inflation liegt weiterhin über ihren jeweiligen Zielwerten von 2 %, während höhere Energiekosten infolge der Spannungen im Nahen Osten die Aufwärtsrisiken aufrechterhalten. Da Händler bei beiden Zentralbanken mit Zinserhöhungen im Dezember rechnen, könnten Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs eine stärkere Marktreaktion auslösen als die Entscheidungen selbst.
Nach Einschätzung der Commerzbank dürfte der jüngste Anstieg der Ölpreise für den Euro besonders problematisch sein, da „insbesondere höhere Ölpreise den Euro stärker unter Druck setzen dürften, weil ihre Auswirkungen sowohl auf die Inflation als auch auf die Wirtschaftsaktivität im Euroraum ausgeprägter und unter dem Strich negativ für die Währung sind“. Die Bank merkt an, dass „die kurzfristigen Inflationserwartungen im Euroraum stärker gestiegen sind als in den USA“ und dass „höhere Inflationserwartungen derzeit nicht durch eine entsprechende Verschiebung der relativen Zinserwartungen ausgeglichen werden“. Insgesamt sei „dies grundsätzlich ein negatives Signal für den Euro“, argumentiert die Commerzbank.
Zugleich stellt die Bank fest, dass die jüngste Ausweitung der Renditeaufschläge französischer Staatsanleihen bislang nicht zu umfassenderen Spannungen in der Eurozone geführt hat. Dazu kommentiert sie: „Dies deutet darauf hin, dass der Markt die Sorgen um die Staatsfinanzen derzeit weitgehend als französisches Problem betrachtet.“ Die Commerzbank sieht „eine mögliche Erklärung“ in „der Erwartung, dass die EZB bei stärkeren Ansteckungseffekten eingreifen und damit das Risiko einer breiteren Fragmentierung am Anleihemarkt des Euroraums begrenzen würde“.
Neben den Zentralbankentscheidungen könnte in dieser Woche auch ein prall gefüllter Wirtschaftskalender EUR/USD beeinflussen. Am Dienstag stehen in den USA der ADP-Beschäftigungsbericht, die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im September, das Verbrauchervertrauen für Oktober und die Verkäufe neuer Wohnhäuser im September an. Am Donnerstag folgen die Inflationsdaten für September auf Basis des Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das dritte Quartal und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
In der Eurozone werden am Donnerstag die Oktober-Daten zum Geschäftsklima, zum Verbrauchervertrauen und zur Wirtschaftsstimmung veröffentlicht. Am Freitag folgen die vorläufigen BIP-Zahlen für das dritte Quartal und die Arbeitslosenquote für den Währungsraum sowie die vorläufigen Daten zum deutschen Verbraucherpreisindex (VPI) für Oktober.
Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Zentralbank der Eurozone. Sie legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik für den Währungsraum. Das vorrangige Mandat der EZB besteht darin, Preisstabilität zu gewährleisten, also die Inflation bei rund 2 % zu halten. Ihr wichtigstes Instrument dafür ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Relativ hohe Zinsen führen in der Regel zu einem stärkeren Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft seine geldpolitischen Entscheidungen auf Sitzungen, die achtmal im Jahr stattfinden. Die Entscheidungen werden von den Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Eurozone und sechs ständigen Mitgliedern getroffen, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
In Extremsituationen kann die Europäische Zentralbank ein geldpolitisches Instrument einsetzen, das als quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) bezeichnet wird. Dabei schafft die EZB neue Euro und kauft damit Vermögenswerte – meist Staats- oder Unternehmensanleihen – von Banken und anderen Finanzinstituten. QE führt in der Regel zu einem schwächeren Euro. QE ist das letzte Mittel, wenn eine reine Zinssenkung voraussichtlich nicht ausreicht, um das Ziel der Preisstabilität zu erreichen. Die EZB setzte dieses Instrument während der großen Finanzkrise von 2009 bis 2011, im Jahr 2015 bei anhaltend niedriger Inflation sowie während der Corona-Pandemie ein.
Die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist das Gegenteil von QE. Sie wird im Anschluss an QE eingesetzt, wenn eine wirtschaftliche Erholung im Gange ist und die Inflation zu steigen beginnt. Während die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen von QE Staats- und Unternehmensanleihen von Finanzinstituten kauft, um ihnen Liquidität bereitzustellen, stellt sie bei QT weitere Anleihekäufe ein und legt die Rückzahlungen aus fällig werdenden Anleihen in ihrem Bestand nicht mehr neu an. Dies wirkt sich in der Regel positiv beziehungsweise bullisch auf den Euro aus.