0,8403: Euro tut sich gegenüber dem britischen Pfund mit der Bodenbildung schwer, während Gewalt Frankreich erschüttert

  • EUR/GBP weitet Verluste auf Niveaus nahe 0,8400 aus und verzeichnet damit in etwas mehr als drei Wochen einen Kursrückgang von 2,3 %.
  • Gewalt in Frankreich, hohe Ölpreise und schwache Konjunkturdaten aus der Eurozone setzen den Euro massiv unter Druck.
  • In Großbritannien überraschten die Konjunkturdaten in der vergangenen Woche und schwächten den Rückhalt für das britische Pfund.

Der Euro (EUR) verliert am Montag gegenüber dem britischen Pfund (GBP) weiter an Boden, da Studentenproteste in Frankreich in Gewalt umschlagen und die bereits angeschlagene Regierung von Präsident Emmanuel Macron zusätzlich unter Druck setzen. Das Währungspaar EUR/GBP fiel im frühen Montagshandel auf ein neues 16-Monats-Tief bei 0,8403, bevor es sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auf 0,8412 erholte. Damit beläuft sich der Kursrückgang in etwas mehr als drei Wochen auf 2,3 %.

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Anleger meiden die Gemeinschaftswährung auch am Montag. Sie zeigen sich beunruhigt über die Bilder extremer Gewalt aus Frankreich, wo Studentenproteste am Wochenende eskalierten und in den meisten Großstädten des Landes zu Sachbeschädigungen und Plünderungen führten. 

Die Polizei meldete 1.800 Festnahmen. Die Ereignisse veranlassten Innenminister Laurent Nunez, seinen Rücktritt anzubieten, den Präsident Macron jedoch ablehnte. Der Druck auf den Präsidenten nimmt vor dem Ende seiner Amtszeit allerdings weiter zu. Rechtsextreme und linksextreme Parteien versuchen, bei Wahlen von der Unzufriedenheit mit der Politik der Mitte und den hohen Lebenshaltungskosten zu profitieren, während die Verschuldung des Landes außer Kontrolle gerät.

Konjunkturdaten sprechen für das Pfund

Am Montag stehen in Großbritannien und der Eurozone nur wenige Konjunkturveröffentlichungen an. Die jüngsten Daten fielen jedoch für das Pfund günstiger aus als für den Euro und verstärkten die Erwartungen, dass die Bank of England (BoE) die Zinsen noch vor Jahresende anheben könnte. Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten zum britischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigten, dass die Wirtschaft im September nach einem leichten Rückgang im August unerwartet wieder wuchs, gestützt durch die starke Entwicklung des Industriesektors. 

Nach Einschätzung der Analysten der Commerzbank geben die jüngsten britischen Daten „der Bank of England Spielraum für Zinserhöhungen, ohne Gefahr zu laufen, eine bereits schwächelnde Wirtschaft zusätzlich unter Druck zu setzen“. „Der Markt scheint zuversichtlich, dass sich ein tragfähiger Mittelweg finden lässt“, schreibt die Commerzbank in einer Mitteilung.

In der Eurozone beschleunigte sich der Rückgang der Industrieproduktion, nachdem diese im August den dritten Monat in Folge geschrumpft war. Ebenfalls in der vergangenen Woche bestätigten die endgültigen Daten zum Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), dass sich die Inflation in der Eurozone im September auf 3,8 % im Jahresvergleich beschleunigt hatte. Dies war der höchste Stand seit drei Jahren und verstärkte die Sorgen vor einer Stagflation.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Ölpreise trotz des leichten Rückgangs am Montag im Oktober um 8 % gestiegen sind. Die Brent-Preise halten sich stabil und deutlich über der wichtigen Marke von 100 US-Dollar. Dies belastet das Wirtschaftswachstum in der Eurozone zusätzlich und hält den Verbraucherpreisanstieg auf hohem Niveau. Für die Europäische Zentralbank (EZB) stellt dies eine wachsende Herausforderung dar. Letztlich könnte sie gezwungen sein, zwischen Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung und Zinssenkungen zur Wachstumsstützung zu wählen – der schlimmste Albtraum für die geldpolitischen Entscheidungsträger und ein Szenario, das den Euro auf Talfahrt schicken könnte.