Gold fällt in Richtung 4.000 US-Dollar, da Ölpreise über 100 US-Dollar den Zinsausblick der Fed eintrüben

  • Gold fällt um 0,50 % auf 4.039 US-Dollar, während die Renditen von US-Staatsanleihen 5,040 % erreichen.
  • WTI steigt angesichts zunehmender Versorgungsrisiken im Nahen Osten kräftig auf knapp 103 US-Dollar.
  • Vor der FOMC-Entscheidung liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember bei 85 %.

Der Goldpreis (XAU/USD) gibt am Mittwoch um 0,50 % nach, da ein Ende des Konflikts zwischen den USA und dem Iran in weiter Ferne zu liegen scheint. Unterdessen warten Anleger auf die geldpolitische Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) um 18:00 Uhr GMT. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels notiert XAU/USD bei 4.039 US-Dollar.

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XAU/USD gibt nach: Steigende US-Staatsanleiherenditen und erneute Inflationsrisiken belasten vor der Pressekonferenz von Warsh

Vor der Fed-Entscheidung bleiben Händler vorsichtig. Die US-Aktienmärkte zeigen sich verhalten, die Renditen von US-Staatsanleihen steigen leicht, und die Ölpreise werden weiterhin durch den Nahostkonflikt gestützt.

Gold bleibt unter Druck, da die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um drei Basispunkte auf 5,040 % steigt. Unterdessen verliert der US-Dollar vor der Entscheidung des Offenmarktausschusses (FOMC) an Schwung. Der US-Dollar-Index (DXY), der die Wertentwicklung der US-Währung gegenüber sechs anderen Währungen misst, fällt um 0,09 % auf 102,27.

Im Mittelpunkt steht die Entscheidung der Fed. An den Geldmärkten war nahezu vollständig eingepreist, dass der Leitzins unverändert bei 3,75 % bis 4 % bleibt. Auf der Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh dürfte jedoch die Frage aufkommen, warum die Zinsen nicht bereits heute angehoben werden: West Texas Intermediate (WTI), die US-Referenzsorte für Rohöl, notiert nach einem Anstieg um mehr als 3 % bei knapp 103 US-Dollar je Barrel. Zugleich liegen die Benzinpreise laut AAA Fuel Prices mit 4,24 US-Dollar um 1,20 US-Dollar höher als vor einem Jahr.

Zudem hatte die Mehrheit der Fed-Mitglieder in der jüngsten Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen (Summary of Economic Projections, SEP) mindestens eine weitere Zinserhöhung für dieses Jahr vorgesehen. Darüber hinaus dürften Händler auf Hinweise von Warsh zur künftigen Zinsentwicklung achten, obwohl er den Märkten ungern vorab Orientierung gibt.

Die Spannungen zwischen den Huthi und Saudi-Arabien bleiben hoch, nachdem die vom Iran unterstützte Gruppierung im Jemen eine saudische Raffinerie angegriffen hatte. Sorgen über Versorgungsunterbrechungen trieben daraufhin die Energiepreise nach oben.

Nach der Fed-Sitzung werden Goldhändler auch die Veröffentlichung des Kernpreisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), des bevorzugten Inflationsmaßes der Fed, am Donnerstag im Blick behalten. Ein hoher Wert würde zusammen mit starken Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) die Argumente für eine weitere Zinserhöhung auf der Dezember-Sitzung untermauern.

Laut Prime Terminal war am Swapmarkt eine Straffung um 21 Basispunkte eingepreist. Dies entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 85 %, dass die Fed die Zinsen auf ihrer Dezember-Sitzung anhebt.

Höhere Zinsen belasten unterdessen den Goldpreis, obwohl Gold als Inflationsschutz attraktiv ist.

Bemerkenswert ist, dass die von Reuters befragten Analysten ihre Goldpreisprognosen für Ende 2026 nach unten korrigiert haben.

Technische Analyse zu XAU/USD: Gold konsolidiert zwischen 4.000 und 4.100 US-Dollar

Obwohl sich bei Gold ein bullisches Harami-Kerzenmuster gebildet hat, stellt die Kursentwicklung am Mittwoch dessen Aussagekraft infrage. Sollte die Tageskerze nahe dem aktuellen Kursniveau schließen, könnte dies den Weg für eine Konsolidierung ebnen.

Das Momentum hat ins Negative gedreht. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist bärisch und zeigt im Einklang mit der Kursentwicklung nach unten. Angesichts der gemischten Signale dürfte sich der Kurs bis zur Fed-Entscheidung im Bereich der bekannten Niveaus bewegen.

Auf der Oberseite liegt der nächste relevante Bereich an einer von den Septemberhochs ausgehenden Widerstandstrendlinie nahe 4.100 US-Dollar. Ein Durchbruch über dieses Niveau würde den Weg in Richtung 4.200 US-Dollar freimachen. Die nächsten wichtigen Widerstände liegen am einfachen gleitenden 100-Tage-Durchschnitt (SMA) bei 4.218 US-Dollar und am 50-Tage-SMA bei 4.278 US-Dollar.

Sollte XAU/USD unter 4.000 US-Dollar fallen, könnte das Tief vom vergangenen Freitag bei 3.975 US-Dollar getestet werden. Die nächsten wichtigen Unterstützungen liegen am Tief vom 17. Juli bei 3.959 US-Dollar und am bisherigen Jahrestief bei 3.941 US-Dollar.

Gold-Tageschart

Häufig gestellte Fragen zu Gold

Gold hat in der Geschichte der Menschheit eine Schlüsselrolle gespielt, da es weithin als Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel genutzt wurde. Heute wird das Edelmetall neben seinem Glanz und seiner Verwendung für Schmuck vor allem als sicherer Hafen geschätzt. Das bedeutet, dass es in turbulenten Zeiten als gute Anlage gilt. Gold wird zudem weithin als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen angesehen, da es nicht von einem bestimmten Emittenten oder einer Regierung abhängig ist.

Zentralbanken halten die größten Goldbestände. Um ihre Währungen in turbulenten Zeiten zu stützen, diversifizieren sie in der Regel ihre Reserven und kaufen Gold, um das Vertrauen in die Stärke ihrer Wirtschaft und ihrer Währung zu erhöhen. Hohe Goldreserven können das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit eines Landes stärken. Nach Angaben des World Gold Council stockten Zentralbanken ihre Reserven im Jahr 2022 um 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar auf. Dies ist der höchste jährliche Zukauf seit Beginn der Aufzeichnungen. Zentralbanken aus Schwellenländern wie China, Indien und der Türkei bauen ihre Goldreserven rasch aus.

Gold weist eine negative Korrelation zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen auf, die beide wichtige Reserveanlagen und sichere Häfen sind. Wenn der Dollar abwertet, steigt Gold tendenziell. Dadurch können Anleger und Zentralbanken ihr Vermögen in turbulenten Zeiten diversifizieren. Auch mit risikobehafteten Anlagen ist Gold negativ korreliert. Eine Rally am Aktienmarkt schwächt in der Regel den Goldpreis, während Verkaufswellen an risikoreicheren Märkten das Edelmetall tendenziell begünstigen.

Der Preis kann sich aufgrund unterschiedlichster Faktoren bewegen. Geopolitische Instabilität oder die Angst vor einer tiefen Rezession können den Goldpreis wegen seines Status als sicherer Hafen rasch in die Höhe treiben. Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, steigt sein Preis tendenziell bei niedrigeren Zinsen, während höhere Finanzierungskosten das gelbe Metall meist belasten. Dennoch hängen die meisten Kursbewegungen von der Entwicklung des US-Dollars (USD) ab, da Gold in Dollar gehandelt wird (XAU/USD). Ein starker Dollar begrenzt tendenziell den Goldpreis, während ein schwächerer Dollar ihn eher nach oben treibt.