Das Wichtigste auf einen Blick
- Nach der Elliott-Wellen-Theorie bewegen sich Marktpreise in wiederkehrenden Wellen, angetrieben von Marktteilnehmern, deren Stimmung zwischen Optimismus und Pessimismus schwankt.
- Ein vollständiger Elliott-Wellen-Zyklus umfasst acht Wellen: eine Bewegung aus fünf Wellen in Trendrichtung und eine Bewegung aus drei Wellen entgegen dem Trend.
- Eine Impulswelle verläuft in fünf Wellen in Trendrichtung, wobei Welle 3 in der Regel die längste und stärkste der fünf ist.
- Drei feste Regeln bestimmen, ob die Zählung einer Impulswelle gültig ist. Wird auch nur eine davon verletzt, müssen die Wellen neu beschriftet werden.
- Eine Korrekturwelle verläuft entgegen dem Trend, meist als dreiwelliges ABC-Muster wie ein Zigzag oder Flat. Ein Dreieck besteht dagegen aus fünf Teilbewegungen, die mit A bis E bezeichnet werden.
- Fibonacci-Verhältnisse beschreiben typische Wellenlängen. So korrigiert Welle 2 beispielsweise 50 % bis 61,8 % von Welle 1.
- Das Invalidierungsniveau ist der Kurs, ab dem eine Wellenzählung nicht mehr schlüssig ist. Trader platzieren ihren Stop-Loss daher häufig knapp jenseits dieses Niveaus.
- Elliott-Wellen-Zählungen sind subjektiv. Zwei Analysten können denselben Chart deshalb unterschiedlich zählen, und keine der beiden Zählungen sagt exakte Kurse voraus.
Was ist die Elliott-Wellen-Theorie?
Die Elliott-Wellen-Theorie betrachtet einen Kurschart als Abbild der Massenpsychologie. Die Marktteilnehmer schwanken als Gruppe zwischen Optimismus und Pessimismus, und diese Stimmungsschwankungen hinterlassen ein regelmäßiges Muster im Chart. Nimmt der Optimismus zu, treiben Käufer den Kurs in Wellen nach oben. Kühlt die Stimmung ab, machen Verkäufer einen Teil des Kursgewinns zunichte, bevor der nächste Schub folgt.
Die Theorie besteht aus zwei Grundbausteinen. Die Impulswelle ist die Bewegung aus fünf Wellen in Trendrichtung, die Korrekturwelle die Bewegung aus drei Wellen entgegen dem Trend.
Die Elliott-Wellen-Theorie wird auch als Elliott-Wellen-Prinzip bezeichnet. Trader wenden sie auf Aktien, Devisen, Rohstoffe, Indizes und Kryptowährungen an, da jeder Markt mit einer großen Zahl von Teilnehmern dasselbe Wellenmuster zeigen kann. Die Theorie dient als Rahmen für die Marktanalyse und die Planung von Szenarien. Keine Wellenzählung kann jedoch einen exakten Kurs oder ein genaues Datum vorhersagen.
Das Muster trägt Elliotts Namen, weil er es über Jahre hinweg in Aktiencharts untersuchte und erfasste.
Wer hat die Elliott-Wellen-Theorie entwickelt?
Ralph Nelson Elliott, ein US-amerikanischer Buchhalter, entwickelte die Elliott-Wellen-Theorie in den 1930er-Jahren, nachdem er Aktiencharts aus mehreren Jahrzehnten untersucht hatte. Elliott bemerkte, dass sich Kursschwankungen am Aktienmarkt über unterschiedliche Zeiträume hinweg in ähnlichen Formen wiederholten. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er 1938 in dem Buch The Wave Principle. Elliott verknüpfte die Länge seiner Wellen außerdem mit der Fibonacci-Folge, einer Zahlenfolge, deren Verhältnisse zu einem Kernbestandteil der Wellenanalyse wurden. Er baute seine Überlegungen auf der Dow-Theorie auf, nach der sich Märkte in übergeordneten Trends bewegen, und ergänzte diese um eine detaillierte Wellenstruktur innerhalb der Trends.
Jahrzehnte später erreichte die Theorie ein deutlich größeres Publikum. Robert Prechter und A. J. Frost verfassten 1978 das Buch Elliott Wave Principle. Prechter gründete außerdem Elliott Wave International. Elliotts Wellenmuster selbst beginnt mit einer einfachen Grundform: dem achtwelligen Zyklus.
Wie funktioniert das Elliott-Wellen-Muster?
Das Elliott-Wellen-Muster besteht aus einem achtwelligen Zyklus: Auf eine Bewegung aus fünf Wellen in Trendrichtung folgt eine Bewegung aus drei Wellen entgegen dem Trend. Die fünfwellige Bewegung ist die Impulswelle, die dreiwellige Bewegung die Korrekturwelle.
Jede Welle erhält eine Bezeichnung, damit Trader verfolgen können, an welcher Stelle des Zyklus sich der Kurs befindet.
- Die Zahlen 1 bis 5 kennzeichnen die fünf Wellen der Impulswelle.
- Die Wellen 1, 3 und 5 treiben den Kurs in Trendrichtung.
- Die Wellen 2 und 4 korrigieren entgegen dem Trend, bevor der nächste Schub folgt.
- Die Buchstaben A, B und C kennzeichnen die drei Wellen der Korrekturwelle.

Jede der acht Wellen enthält wiederum kleinere Wellen. Diese Verschachtelung beschrieb Elliott mithilfe von Wellengraden.
Elliott-Wellengrade und Fraktale
Elliott-Wellen sind fraktal. Das bedeutet, dass jede Welle aus kleineren Wellen besteht und zugleich Teil einer größeren Welle ist, und zwar auf jeder Zeitebene. Eine einzelne Welle 1 im Tageschart kann sich im Stundenchart als vollständige fünfwellige Bewegung darstellen. Dieselbe Welle 1 im Tageschart kann zugleich lediglich der erste Teil einer viel größeren Welle im Wochenchart sein.
Der Wellengrad bezeichnet die Größenordnung einer Welle. Elliott benannte neun Wellengrade, vom Grand Supercycle als größtem bis zum Subminuette als kleinstem.
| Wellengrad | Typische Dauer |
|---|---|
| Grand Supercycle | Mehrere Jahrhunderte |
| Supercycle | Mehrere Jahrzehnte (etwa 40 bis 70 Jahre) |
| Cycle | Ein Jahr bis mehrere Jahre, mitunter Jahrzehnte |
| Primary | Einige Monate bis zwei Jahre |
| Intermediate | Wochen bis Monate |
| Minor | Wochen |
| Minute | Tage |
| Minuette | Stunden |
| Subminuette | Minuten |
Die Zeitangaben in der Tabelle dienen lediglich als grobe Orientierung. Elliott definierte jeden Wellengrad anhand der Form und Größe einer Welle im Verhältnis zu den umliegenden Wellen. Die Dauer eines Wellengrads kann sich daher von Chart zu Chart erheblich unterscheiden.

Nachdem das Gesamtbild geklärt ist, folgt ein genauerer Blick auf die erste Hälfte des Zyklus: die Impulswelle.
Was ist eine Impulswelle in der Elliott-Wellen-Theorie?
Eine Impulswelle ist in der Elliott-Wellen-Theorie eine fünfwellige Bewegung in Richtung des Haupttrends. Die Wellen 1, 3 und 5 treiben den Trend voran, während die Wellen 2 und 4 Gegenbewegungen darstellen. Viele Quellen zur Elliott-Wellen-Theorie verwenden außerdem den Begriff Antriebswelle beziehungsweise „Motive Wave“ als Oberbegriff für alle Wellen, die sich in Trendrichtung bewegen. Im weiteren Verlauf dieses Leitfadens wird der Begriff Impulswelle verwendet.
Innerhalb einer Impulswelle unterteilen sich die Wellen 1, 3 und 5 jeweils in fünf kleinere Wellen, die Wellen 2 und 4 dagegen jeweils in drei kleinere Wellen. Diese Aufteilung wiederholt sich auf jedem Wellengrad und bildet so die Grundlage des fraktalen Musters. Jede der fünf Wellen weist zudem meist ein eigenes Verhalten auf.
Die fünf Wellen einer Impulswelle
Jede der fünf Wellen einer Impulswelle hat einen typischen Charakter. Gemeint sind damit die Nachrichtenlage, die Stimmung der Marktteilnehmer und das Volumen, also die gehandelte Menge, die diese Welle gewöhnlich begleiten. Die Tabelle zeigt die fünf Wellen in einem steigenden Markt. In einem fallenden Markt gilt derselbe Wellencharakter mit umgekehrten Vorzeichen: Die Wellen 1, 3 und 5 verlaufen dann abwärts.
| Welle | Richtung | Typischer Verlauf | Typische Stimmung und typisches Volumen |
|---|---|---|---|
| Welle 1 | In Trendrichtung | Erster Anstieg, zu Beginn selten klar erkennbar | Nachrichten weiterhin negativ, Volumen steigt leicht |
| Welle 2 | Entgegen dem Trend | Oft tiefer Rücksetzer, der nie über den Ausgangspunkt von Welle 1 hinausgeht | Angst kehrt zurück, Volumen niedriger als in Welle 1 |
| Welle 3 | In Trendrichtung | Meist die längste und stärkste Welle, geringe Rücksetzer | Nachrichten werden positiv, breite Masse steigt ein, hohes Volumen |
| Welle 4 | Entgegen dem Trend | Häufig seitwärts und wenig ausgeprägt, meist 38,2 % oder weniger von Welle 3 | Frustration, Volumen deutlich niedriger als in Welle 3 |
| Welle 5 | In Trendrichtung | Letzter Schub auf ein neues Hoch, häufig mit Momentum-Divergenz | Großer Optimismus, Volumen oft niedriger als in Welle 3 |
Welle 3 ist meist die längste und stärkste Welle einer Impulswelle, weil die breite Masse den Trend bis dahin erkannt hat und sich ihm anschließt. Welle 3 legt häufig die größte Strecke in der kürzesten Zeit zurück, mit nur geringen Rücksetzern.
Welle 5 ist der letzte Schub der Impulswelle und zeigt häufig eine Momentum-Divergenz. Eine Momentum-Divergenz liegt vor, wenn der Kurs ein neues Hoch erreicht, während ein Momentum-Indikator wie der Relative-Stärke-Index (RSI) ein niedrigeres Hoch bildet. Eine solche Divergenz in Welle 5 deutet darauf hin, dass den Käufern die Kraft ausgeht und sich die Impulswelle ihrem Ende nähern könnte.
Reale Charts entsprechen selten exakt dem Lehrbuchmuster. Die beiden häufigsten Abweichungen bei einer Impulswelle sind Ausdehnungen und Diagonalen.
Ausdehnungen von Impulswellen und Diagonalen
Eine Ausdehnung liegt vor, wenn sich innerhalb einer Impulswelle eine der Wellen 1, 3 oder 5 deutlich stärker verlängert als die beiden anderen. Bei Aktien und Devisen dehnt sich Welle 3 am häufigsten aus.
Eine Diagonale ist eine keilförmige Antriebswelle, deren fünf Wellen zwischen zwei geneigten Trendlinien verlaufen. Eine Anfangsdiagonale tritt zu Beginn einer Bewegung auf, in Welle 1 einer Impulswelle oder in Welle A eines Zigzags. Eine Enddiagonale tritt am Ende einer Bewegung auf, in Welle 5 einer Impulswelle oder in Welle C einer Korrekturwelle. Auf eine Enddiagonale folgt häufig eine starke Trendumkehr. Diagonalen gehören neben Impulswellen zur Familie der Antriebswellen und zählen nicht zu den Korrekturwellen. Innerhalb einer Diagonale darf Welle 4 den Kursbereich von Welle 1 überlappen, was bei einer regulären Impulswelle niemals zulässig ist.
Um eine echte Impulswelle von einer ungültigen zu unterscheiden, prüfen Elliott-Wellen-Trader drei Regeln.
Welche drei Regeln gelten für eine Impulswelle?
Die drei Regeln einer Impulswelle in der Elliott-Wellen-Theorie sind feste Kriterien, die jede gültige Impulswellenzählung erfüllen muss.
- Welle 2 geht niemals über den Ausgangspunkt von Welle 1 hinaus.
- Welle 3 ist niemals die kürzeste der Wellen 1, 3 und 5.
- Welle 4 überlappt nicht den Kursbereich von Welle 1.
Wird auch nur eine dieser drei Regeln verletzt, ist die Impulswellenzählung falsch und die Wellen müssen neu beschriftet werden. Für Diagonalen gelten eigene Regeln: Welle 4 einer Diagonale darf den Kursbereich von Welle 1 überlappen. Eine ungültig gewordene Impulswellenzählung bedeutet nicht, dass sich der übergeordnete Trend umgekehrt hat.

Richtlinien unterscheiden sich von Regeln. Eine Richtlinie beschreibt, was bei einer Impulswelle häufig auftritt. Von ihr kann abgewichen werden, ohne dass die Wellenzählung dadurch falsch wird.
- Die Alternation besagt, dass auf eine steile Welle 2 tendenziell eine seitwärts verlaufende Welle 4 folgt und umgekehrt.
- Eine Momentum-Divergenz tritt häufig in Welle 5 auf, wenn der Kurs ein neues Hoch erreicht, das Momentum jedoch nicht.
- Fibonacci-Verhältnisse beschreiben häufig die Strecke, die eine Welle zurücklegt. Allerdings verfehlt der Kurs die typischen Niveaus regelmäßig.
Die Momentum-Divergenz in Welle 5 als vierte Regel zu behandeln, ist ein häufiger Fehler. Er führt dazu, dass Trader weiterhin gültige Wellenzählungen verwerfen. Sobald die fünfwellige Bewegung der Impulswelle endet, beginnt die Korrekturwelle.
Was ist eine Korrekturwelle in der Elliott-Wellen-Theorie?
Eine Korrekturwelle ist in der Elliott-Wellen-Theorie die dreiwellige Bewegung entgegen dem Haupttrend, die auf eine Impulswelle folgt. Sie macht einen Teil des Kursgewinns der Impulswelle zunichte, bevor sich der übergeordnete Trend fortsetzt. Auf ihrem eigenen Wellengrad verläuft eine Korrekturwelle in drei und niemals in fünf Wellen. Das ist das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zwischen einer Korrekturwelle und einer Impulswelle. Korrekturwellen sind in Echtzeit meist schwerer zu erkennen als Impulswellen, weil sie sich häufig überlappen, seitwärts verlaufen und während ihrer Entstehung die Form verändern. Die grundlegende Korrekturwelle besteht aus drei Teilen, die mit A, B und C bezeichnet werden.
Das ABC-Muster einer Korrekturwelle
Das ABC-Muster, auch ABC-Korrektur genannt, ist die grundlegende dreiwellige Korrekturwelle. Dabei verlaufen die Wellen A und C entgegen dem Trend, während Welle B dazwischen eine Gegenbewegung bildet.
- Welle A ist die erste Bewegung entgegen dem Trend. Trader halten sie häufig für einen normalen Rücksetzer innerhalb des bisherigen Trends.
- Welle B ist eine teilweise Gegenbewegung in Richtung des bisherigen Trends. Sie kann Trader zu der Annahme verleiten, dass sich der Trend wieder fortsetzt.
- Welle C ist die letzte Teilbewegung der Korrekturwelle und geht in der Regel über den Endpunkt von Welle A hinaus. Häufig entspricht ihre Länge der von Welle A oder erreicht das 1,618-Fache davon.
Das ABC-Muster erklärt, warum Korrekturwellen so viele Trader auf dem falschen Fuß erwischen. Welle A sieht wie ein gewöhnlicher Rücksetzer aus, Welle B wie die Wiederaufnahme des Trends. Erst Welle C macht deutlich, dass eine größere Korrekturwelle im Gang war. Nach dem Ende von Welle C erwartet die Theorie, dass sich der Haupttrend mit einer neuen Impulswelle fortsetzt.
Das ABC-Muster kann verschiedene Formen annehmen.
Korrekturmuster: Zigzag, Flat und Dreieck
Die drei wichtigsten Korrekturwellenmuster der Elliott-Wellen-Theorie sind Zigzag, Flat und Dreieck. Ein Zigzag ist eine steile Korrekturwelle, die sich schnell entgegen dem Trend bewegt. Ein Flat verläuft seitwärts, wobei Welle B bis in die Nähe des Ausgangspunkts von Welle A zurückkehrt. Ein Dreieck ist eine sich verengende Seitwärtsspanne aus fünf Teilbewegungen, die mit A bis E bezeichnet werden. Es bildet sich meist in Welle 4 oder Welle B.
| Muster | Form | Innere Wellenstruktur | Wichtiges Merkmal |
|---|---|---|---|
| Zigzag | Steile Bewegung entgegen dem Trend | 5, 3, 5 | Welle B ist kurz, Welle C geht deutlich über Welle A hinaus |
| Flat | Seitwärts | 3, 3, 5 | Welle B kehrt bis in die Nähe des Ausgangspunkts von Welle A zurück |
| Dreieck | Sich verengende oder ausweitende Seitwärtsspanne | 3, 3, 3, 3, 3 (fünf Teilbewegungen A bis E) | Bildet sich meist in Welle 4 oder Welle B, gefolgt von einer schnellen Bewegung |
| Doppeldreier | Zwei Korrekturen, verbunden durch Welle X | W, X, Y | Längere Seitwärtskorrektur |
| Dreifachdreier | Drei Korrekturen, verbunden durch zwei X-Wellen | W, X, Y, X, Z | Seltene, sehr lange Seitwärtskorrektur |
Die Spalte „Innere Wellenstruktur“ zeigt, wie viele kleinere Wellen jede Teilbewegung enthält. Ein Zigzag mit der Struktur 5, 3, 5 bedeutet, dass Welle A aus fünf kleineren Wellen besteht, Welle B aus drei und Welle C aus fünf.
Korrekturwellen können sich auch zu längeren Mustern verbinden. Ein Doppeldreier verbindet zwei Korrekturen durch eine Welle X, ein Dreifachdreier drei Korrekturen durch zwei X-Wellen.

Um abzuschätzen, welche Strecke eine Welle zurücklegen könnte, nutzen Elliott-Wellen-Trader Fibonacci-Verhältnisse.
Wie wird Fibonacci mit der Elliott-Wellen-Theorie kombiniert?
Elliott-Wellen-Trader nutzen Fibonacci-Verhältnisse, um abzuschätzen, wie weit eine Welle korrigieren oder sich ausdehnen könnte. Elliott verknüpfte die Längen seiner Wellen mit der Fibonacci-Folge. Das zentrale Verhältnis dieser Folge ist der Goldene Schnitt von 1,618. Auch Verhältnisse wie 38,2 %, 61,8 % und 161,8 % leiten sich aus derselben Folge ab.
Elliott-Wellen-Trader verwenden zwei Fibonacci-Werkzeuge. Ein Fibonacci-Retracement misst, wie tief ein Rücksetzer reichen könnte, und wird daher für Welle 2, Welle 4 und Welle B eingezeichnet. Eine Fibonacci-Extension misst, wie weit eine Welle über die vorherige Welle hinausreichen könnte, und wird daher für Welle 3, Welle 5 und Welle C eingezeichnet.
| Welle | Werkzeug | Typisches Verhältnis |
|---|---|---|
| Welle 2 | Fibonacci-Retracement | 50 % bis 61,8 % von Welle 1, mitunter tiefer (76,4 % oder 78,6 %), niemals über 100 % |
| Welle 3 | Fibonacci-Extension | Häufig 161,8 % von Welle 1, mitunter 261,8 % |
| Welle 4 | Fibonacci-Retracement | Häufig 23,6 % bis 38,2 % von Welle 3, selten mehr als 50 % |
| Welle 5 | Fibonacci-Extension | Häufig genauso lang wie Welle 1 oder 61,8 % der Strecke vom Ausgangspunkt von Welle 1 bis zum Endpunkt von Welle 3 |
| Welle B | Fibonacci-Retracement | In einem Zigzag häufig 38,2 % bis 61,8 % von Welle A. In einem Flat häufig 90 % bis 100 %, mitunter auch über 100 % |
| Welle C | Fibonacci-Extension | Häufig 100 % von Welle A, mitunter 161,8 % |
Jeder Wert in der Tabelle beschreibt ein typisches Verhältnis. Der Kurs erreicht ein Fibonacci-Niveau häufig nicht ganz oder läuft darüber hinaus. Fibonacci-Niveaus eignen sich am besten als Beobachtungsbereiche. Auch ein Fibonacci-Niveau, das zur Wellenzählung passt, benötigt eine Bestätigung durch den Kursverlauf, bevor ein Trader danach handelt.

Durch die Kombination der Struktur, der drei Regeln und der Fibonacci-Verhältnisse wird aus der Theorie ein Handelsplan.
So nutzen Sie die Elliott-Wellen-Theorie beim Trading mit MT4 und MT5
Trader nutzen die Elliott-Wellen-Theorie, um die aktuelle Position des Marktes im Wellenzyklus einzuschätzen und Bereiche für den Einstieg, den Stop-Loss und das Kursziel zu planen, stets in Verbindung mit anderen Werkzeugen. Ein typischer Elliott-Wellen-Ansatz umfasst sieben Schritte.
- Beginnen Sie auf einer höheren Zeitebene, etwa im Tageschart, um den Haupttrend und den Wellengrad zu bestimmen, den Sie handeln.
- Beschriften Sie die aktuelle Wellenzählung ausgehend vom letzten klaren Hoch oder Tief, mit Zahlen für die Impulswelle und Buchstaben für die Korrekturwelle.
- Legen Sie das Invalidierungsniveau fest, also den Kurs, ab dem die Wellenzählung nicht mehr schlüssig ist. Bei einer Zählung von Welle 2 ist dies der Ausgangspunkt von Welle 1.
- Markieren Sie Fibonacci-Niveaus, an denen der Rücksetzer enden könnte, beispielsweise 50 % bis 61,8 % von Welle 1 für Welle 2.
- Warten Sie auf eine Bestätigung durch den Kursverlauf oder einen Indikator wie den RSI, bevor Sie auf Grundlage der Wellenzählung handeln.
- Platzieren Sie einen Stop-Loss entsprechend der Wellenzählung und Ihrer Risikotoleranz. Bei einem Setup für Welle 3 liegt er knapp unter dem Endpunkt von Welle 2 oder knapp unter dem Ausgangspunkt von Welle 1.
- Halten Sie eine alternative Wellenzählung bereit, falls die Hauptzählung scheitert. So führt ein Regelverstoß zu einem neuen Plan statt zu einer Überraschung.
Das Invalidierungsniveau bietet einem Trader einen klaren Ausstiegspunkt, denn ein Kurs jenseits dieses Niveaus bedeutet, dass die Wellenzählung nicht mehr gültig ist. Die beiden Stop-Loss-Niveaus in Schritt 6 haben unterschiedliche Bedeutungen. Ein Kurs unter dem Endpunkt von Welle 2 zeigt, dass die Annahme ihres bereits erreichten Endes falsch war. Ein Kurs unter dem Ausgangspunkt von Welle 1 zeigt dagegen, dass die gesamte Wellenzählung falsch war.
Die beiden Setups, nach denen Elliott-Wellen-Trader am häufigsten suchen, sind Welle 3 nach dem Ende von Welle 2 und Welle 5 nach dem Ende von Welle 4. Auf niedrigeren Zeitebenen gibt es mehr Marktrauschen. Deshalb ändern sich Wellenzählungen in kurzfristigen Charts häufiger als in Tages- oder Wochencharts.
Sowohl MT4 als auch MT5 ermöglichen es, die sieben Schritte auf einem Chart umzusetzen. Allerdings verfügt nur MT5 über integrierte Elliott-Wellen-Werkzeuge.
- Wechseln Sie die Zeitebene über die Symbolleiste „Periodizität“ in MT5 beziehungsweise „Zeitrahmen“ in MT4. Beginnen Sie mit dem Tageschart, um den Haupttrend zu bestimmen.
- Beschriften Sie die Wellenzählung in MT5 mit den Werkzeugen „Impulswelle“ und „Elliott-Korrekturwelle“. Sie finden diese in der Objektgruppe „Elliott“ im Menü „Einfügen“ oder in der Symbolleiste „Linienstudien“.
- Beschriften Sie die Wellenzählung in MT4 manuell, da MT4 im Menü „Einfügen“ kein Elliott-Wellen-Werkzeug bietet.
- Zeichnen Sie ein Fibonacci-Retracement anhand zweier Punkte ein, vom Ausgangspunkt bis zum Endpunkt von Welle 1. So sehen Sie die Niveaus von 50 % und 61,8 %, an denen Welle 2 enden könnte.
- Zeichnen Sie eine Fibonacci-Expansion anhand dreier Punkte ein: dem Ausgangspunkt von Welle 1, dem Endpunkt von Welle 1 und dem Endpunkt von Welle 2. So sehen Sie die Niveaus von 100 % und 161,8 % für Welle 3.
- Fügen Sie den Relative-Stärke-Index hinzu, entweder über das Navigatorfenster oder den Befehl „Indikatoren“ im Menü „Einfügen“, um Welle 5 auf eine Momentum-Divergenz zu prüfen.
Beide Fibonacci-Werkzeuge befinden sich in MT4 und MT5 in der Gruppe „Fibonacci“ im Menü „Einfügen“ sowie in der Symbolleiste „Linienstudien“.

Das folgende Rechenbeispiel dient ausschließlich der Veranschaulichung. Die runden Zahlen sind frei erfunden und beziehen sich weder auf einen realen Markt noch auf eine Handelsidee.
Welle 1 steigt von 100 auf 120, und Welle 2 fällt auf 110 zurück. Das entspricht einem Fibonacci-Retracement von 50 % von Welle 1. Ein Trader, der auf Welle 3 setzt, würde das Invalidierungsniveau bei 100, dem Ausgangspunkt von Welle 1, festlegen, da Welle 2 niemals darüber hinausgehen darf. Ein engerer Stop-Loss könnte knapp unter 110 liegen. Dort wäre die Annahme falsch, dass Welle 2 bereits beendet ist. Ein weiter gefasster Stop-Loss könnte knapp unter 100 liegen. Dort wäre die gesamte Wellenzählung falsch.
Welle 3 steigt von 110 auf 142. Diese Bewegung um 32 Punkte entspricht 160 % von Welle 1 und liegt damit nahe an der Fibonacci-Extension von 161,8 %. Welle 4 fällt auf 134 zurück, was einem Retracement von 25 % von Welle 3 entspricht. Ein Trader, der auf Welle 5 setzt, würde das Invalidierungsniveau auf 120, das Hoch von Welle 1, anheben, da Welle 4 den Kursbereich von Welle 1 nicht überlappen darf.
Welle 5 steigt von 134 auf 154. Die Bewegung um 20 Punkte ist genauso lang wie Welle 1. Eine Momentum-Divergenz nahe 154 deutet darauf hin, dass die Impulswelle enden könnte. Darauf folgt die Korrekturwelle: Welle A fällt auf 140, Welle B steigt auf 147 (50 % von Welle A), und Welle C fällt auf 133. Welle C ist mit 14 Punkten genauso lang wie Welle A und endet unter deren Endpunkt.
Im Beispiel werden alle drei Regeln eingehalten. Welle 2 bleibt über 100. Welle 3 ist mit 32 Punkten die längste der drei Wellen in Trendrichtung, gegenüber jeweils 20 Punkten bei Welle 1 und Welle 5. Welle 4 bleibt über 120. Welle 2 korrigiert tief, Welle 4 dagegen nur wenig. Das entspricht der Richtlinie der Alternation.

Klare Schritte helfen, doch die Theorie hat auch wesentliche Grenzen, die jeder Trader berücksichtigen sollte.
Funktioniert die Elliott-Wellen-Theorie wirklich?
Die Elliott-Wellen-Theorie kann Tradern helfen, Kursschwankungen einzuordnen und Szenarien zu planen. Für sich allein sagt sie den Markt jedoch nicht zuverlässig voraus, und die Ergebnisse hängen stark davon ab, wer die Wellenzählung vornimmt. Die Theorie hat vier wesentliche Grenzen.
- Wellenzählungen sind subjektiv. Zwei Analysten können denselben Chart unterschiedlich zählen und beide davon überzeugt sein, dass ihre Zählung richtig ist.
- Rückblickend sind Wellenzählungen deutlich einfacher als in Echtzeit. Analysten zeichnen eine Wellenzählung häufig neu, nachdem sich der Kurs entgegen ihrer Einschätzung entwickelt hat.
- Für Einsteiger ist die Elliott-Wellen-Theorie komplex. Sie müssen viele Muster, Ausnahmen und Wellengrade erlernen, bevor ihnen die Wellenzählung leicht von der Hand geht.
- Die Untersuchung von Roy Batchelor und Richard Ramyar in ihrer 2006 veröffentlichten Arbeit Magic Numbers in the Dow fand zwar einige Fibonacci-Verhältnisse im Dow Jones Industrial Average, allerdings nicht häufiger, als es durch Zufall zu erklären wäre.
Trader verringern das Risiko einer falschen Wellenzählung auf drei Arten. Ein vor jedem Trade festgelegtes Invalidierungsniveau markiert den Punkt, an dem sich die Zählung als falsch erweist. Weitere Werkzeuge wie RSI, Unterstützung und Widerstand sowie das Risikomanagement verhindern, dass allein eine Wellenzählung über einen Trade entscheidet. Höhere Zeitebenen wie Tages- und Wochencharts reduzieren das Marktrauschen, durch das sich Wellenzählungen auf kurzen Zeitebenen so häufig ändern.
Wer jede Wellenzählung als ein mögliches Szenario betrachtet und sie mit einem Invalidierungsniveau sowie einem Stop-Loss absichert, begrenzt den Schaden, wenn sich die Zählung als falsch herausstellt.
Häufig gestellte Fragen
Heißt es Elliott-Wellen oder Elliot-Wellen?
Die korrekte Schreibweise lautet Elliott-Wellen, mit zwei t, da die Theorie nach Ralph Nelson Elliott benannt ist. Elliot-Wellen mit nur einem t ist eine häufige Falschschreibung derselben Theorie. Suchanfragen nach Elliot-Wellen führen zur gleichen Theorie mit denselben Wellen, Regeln und Mustern.
Welche Zeitebene eignet sich am besten für die Elliott-Wellen-Analyse?
Es gibt keine einzelne Zeitebene, die sich am besten für die Elliott-Wellen-Analyse eignet. Die meisten Trader beginnen im Wochen- oder Tageschart, um den Haupttrend zu bestimmen, und nutzen anschließend den 4-Stunden- oder 1-Stunden-Chart, um die aktuelle Welle zu beschriften. Auf sehr kurzen Zeitebenen gibt es mehr Marktrauschen. Deshalb ändern sich Wellenzählungen dort häufiger und werden leichter ungültig.
Gibt es einen Indikator für Elliott-Wellen?
Kein Indikator übernimmt die Elliott-Wellen-Zählung zuverlässig für Sie, doch einige Werkzeuge können dabei helfen. Der Elliott Wave Oscillator vergleicht einen gleitenden Durchschnitt über 5 Perioden mit einem über 34 Perioden, um das Momentum darzustellen. Viele Trader nutzen außerdem den RSI, um eine Momentum-Divergenz in Welle 5 zu erkennen, sowie Fibonacci-Retracement- und Fibonacci-Extension-Werkzeuge, um Fibonacci-Niveaus zu markieren. Die Wellenzählung selbst erfordert weiterhin das Urteilsvermögen des Traders.
Was unterscheidet die Dow-Theorie von der Elliott-Wellen-Theorie?
Sowohl die Dow-Theorie als auch die Elliott-Wellen-Theorie gehen davon aus, dass sich Märkte in Trends bewegen. Sie beschreiben diese Trends jedoch unterschiedlich detailliert. Die Dow-Theorie unterscheidet grundlegende Primär-, Sekundär- und untergeordnete Trends. Die Elliott-Wellen-Theorie bildet eine detaillierte fünfwellige und eine dreiwellige Bewegung ab und nutzt Fibonacci-Verhältnisse, um Wellenlängen abzuschätzen. Elliott baute seine Arbeit auf der Dow-Theorie auf und ergänzte die darin beschriebenen Trends um eine Struktur.
Welches Buch eignet sich am besten, um die Elliott-Wellen-Theorie zu lernen?
Die am häufigsten zitierten Bücher zur Elliott-Wellen-Theorie sind Ralph Nelson Elliotts eigenes Werk The Wave Principle von 1938 und Elliott Wave Principle (mit dem Untertitel Key to Market Behavior) von A. J. Frost und Robert Prechter aus dem Jahr 1978. The Wave Principle zeigt die Theorie in ihrer ursprünglichen Darstellung durch Elliott, während das Buch von Frost und Prechter sie einem deutlich größeren Publikum bekannt machte.
















